Rückversicherer Munich Re rechnet abermals mit Rekordgewinn

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Mit der Gefahr von Naturkatastrophen lässt sich Geld verdienen, wie der Rückversicherer Munch Re eindrucksvoll zeigt. Die jüngste Erneuerungsrunde für Verträge stimmt den Vorstandsvorsitzenden Joachim Wenning trotz zunehmender Schäden zuversichtlich, abermals einen Rekordgewinn in diesem Jahr erzielen zu können. Das kam an der Börse gut an: Der Aktienkurs stieg um fünf Prozent.

Auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch sagte Wenning, dass die attraktiv hohen Preise gehalten wurden. Für die nächsten Erneuerungsrunden im April und Juli erwartet er trotz zunehmenden Marktdrucks ein weiter positives Marktumfeld. „Nicht zuletzt sind aktuelle Schäden aus Naturereignissen ein eindeutiger Faktor, der einem Aufweichen von Preisen entgegensteht.“ Das bedeutet, die Nachfrage nach Versicherungsschutz vor Naturkatastrophen bleibt aus Sicht des größten Rückversicherers der Welt hoch und sorgt für attraktive Preise.

Jedoch kosten die daraus resultierenden Schäden viel Geld. Die Waldbrände in Los Angeles dürften bei der Munich Re mit 1,2 Milliarden Euro im ersten Quartal 2025 ins Kontor schlagen. Trotzdem ist Wenning zuversichtlich im laufenden Jahr einen Nettogewinn von sechs Milliarden Euro erzielen zu können. Finanzvorstand Christoph Jurecka betonte in der Bilanzpressekonferenz, dass die Belastungen durch die Brände in Los Angeles locker durch das Budget für Großschäden abgedeckt werden könnten.

Deutlich mehr als ursprünglich erwartet

Im vergangenen Jahr verbesserte der Rückversicherer sein Ergebnis nach Steuern um fast ein Viertel auf 5,7 Milliarden Euro. Das führte Wenning auf eine sehr erfreuliche Entwicklung 2024 zurück, die sich nicht jedes Jahr wiederholen lasse. Die ursprüngliche Gewinnprognose des Vorstands hatte bei fünf Milliarden Euro gelegen.

An dem Rekordgewinn sollen auch die Aktionäre beteiligt werden: Der Vorstand will eine Dividende von 20 Euro je Aktie zahlen, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Zudem soll das Aktienrückkaufprogramm um 500 Millionen auf zwei Milliarden Euro erhöht werden. Das Ertragsniveau habe sich im Rahmen des Fünf-Jahres-Strategieprogramms Ambition 2025, das in diesem Jahr abgeschlossen wird, sehr deutlich und nachhaltig verbessert, erklärte Wenning. Einen neuen Strategieplan will er im Dezember vorstellen.

24 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet

Sollten die von ihm erwarteten sechs Milliarden Euro erreicht werden, dann verdopple sich der Gewinn von 2021. Nach seinen Angaben hat die Munich Re in den vergangenen zehn Jahren 85 Prozent ihrer Nettoerträge an die Aktionäre ausgeschüttet. Dividenden und Aktienrückkäufe machen in diesem Zeitraum mehr als 24 Milliarden Euro aus.

Für den Vorstandschef beruht die wirtschaftliche Stärke der Munich Re maßgeblich auf der Diversifikation der Geschäftsportfolios. Die Profitabilität aller Segmente und eine umsichtige Reservierung schützten vor natürlichen Ertragsschwankungen, die etwa durch Großschäden oder die Materialisierung von Kapitalmarktrisiken auftreten könnten.

Mehr Großschäden

Die Gesamtbelastung durch Großschäden erhöhte sich 2024 um fast ein Fünftel auf 3,9 Milliarden Euro. Die von Menschen verursachten Großschäden stiegen um knapp ein Drittel auf 1,2 Milliarden Euro. Die Belastungen durch Großschäden aus Naturkatastrophen nahmen um 13 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu.

Trotzdem verdiente die Kernsparte, das Rückversicherungsgeschäft, 4,9 Milliarden Euro. Das war eine Milliarde Euro mehr als im Jahr 2023. Der Schaden-Unfall-Bereich steuerte 3,2 Milliarden Euro bei, ein Plus von 31 Prozent. Im Bereich Leben/Gesundheit stieg der Gewinn im Rückversicherungsgeschäft um 18 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Dank der höheren Zinsen sprang das Kapitalanlageergebnis um ein Drittel auf 7,2 Milliarden Euro. Die Erstversicherungseinheit Ergo verdiente mit 791 Millionen Euro um zehn Prozent mehr. Im laufenden Jahr erwartet der Vorstand für das Rückversicherungsgeschäft einen Gewinn von 5,1 Milliarden Euro und für die Ergo von 0,9 Milliarden Euro.