Die Führung der AfD-Bundestagsfraktion und die des Landesverbands Nordrhein-Westfalen streiten darüber, wer dafür verantwortlich sei, dass der äußerst rechte Politiker Matthias Helferich in die Bundestagsfraktion aufgenommen worden ist. Der Sprecher der Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel sagte der F.A.Z., der Landesverband habe „seine Hausaufgaben“ zu erledigen. „Es kann nicht sein, dass sich nun an der Fraktionsführung abgeputzt wird, die sich völlig korrekt verhalten hat.“ Er bezieht sich damit auf Vorwürfe aus Nordrhein-Westfalen, wonach man die Fraktionsspitze vor Helferich gewarnt habe. Gegen diesen läuft ein Parteiausschlussverfahren.
Am Dienstag hatte sich die neue Fraktion erstmals getroffen. Helferich war dabei, und da kein Antrag auf die Tagesordnung gesetzt wurde, der seinen Ausschluss forderte, wurde er aufgenommen. Am Tag zuvor war er auch in die NRW-Landesgruppe aufgenommen worden. Aus der Fraktionsführung hieß es, damit – und mit der guten Platzierung auf der Landesliste – habe die Landespartei Helferich gewissermaßen in die Fraktion gedrückt. Es sei ein Automatismus, ihn dann auch aufzunehmen.
Aus der AfD in Nordrhein-Westfalen wird wiederum argumentiert, Weidel sei zwar dagegen gewesen, dass Helferich einen aussichtsreichen Listenplatz ergattere, habe dann aber nichts dafür getan, dass er diesen nicht bekomme. Dass man ihn in die Landesgruppe aufgenommen habe, bedeute nicht, dass jeder ihn dort haben wollte, sondern nur, dass man der Fraktionsspitze nicht habe vorgreifen wollen. Denn jedes Mitglied der Fraktion sei automatisch Teil einer Landesgruppe. Es bringe nichts, jemanden aus der Landesgruppe auszuschließen, der am nächsten Tag dann doch aufgenommen werden müsse.
„NRW macht seine Hausaufgaben“
Der Landesvorsitzende der AfD in Nordrhein-Westfalen, Martin Vincentz, verwahrt sich gegen den Vorwurf, die Entsendung Helferichs in den Bundestag bedeute, dass er seinen Landesverband nicht im Griff habe. „NRW macht seine Hausaufgaben, wie das laufende Parteiausschlussverfahren zeigt“, sagte sein Sprecher der F.A.Z. Die Aufnahme von Abgeordneten in die Fraktion sei eine Angelegenheit der Fraktion. „Die Landesgruppe ist dafür nicht maßgeblich.“
Vincentz gilt als erbitterter Gegner Helferichs; er ist allerdings nicht Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion, sondern Fraktionsvorsitzender im Düsseldorfer Landtag. Er wird von Helferichs Unterstützern im rechtsextremen Vorfeld der Partei abfällig als „Meuthen 2.0“ bezeichnet, also als neuere Version des früheren Parteivorsitzenden Jörg Meuthen, dem die Partei zu extremistisch geworden war. Vincentz schare eine „LibKon“-Truppe um sich, also Liberal-Konservative, äußerte der neurechte Vordenker Benedikt Kaiser im vergangenen Frühjahr, als es bereits um Helferichs möglichen Rauswurf aus der AfD ging.
Helferich ist umstritten, weil viele in der AfD seine Äußerungen unter anderem zum Nationalsozialismus zu weitgehend finden. Helferich hatte sich selbst einmal als das „freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet. In dem Parteiausschlussverfahren soll es um schwerwiegende Verstöße gegen das Grundgesetz und das Grundsatzprogramm der Partei sowie Äußerungen zum Nationalsozialismus gehen.