Wann Menschen den Regenwald eroberten

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Stand: 26.02.2025 17:01 Uhr

Giftige Pflanzen, Schlangen und Raubtiere – im Regenwald lauern unzählige Gefahren. Trotzdem erschloss der Mensch ihn als Lebensraum. Und das viel früher als bisher angenommen, so die Ergebnisse einer neuen Studie.

Dichter Wald, viel Regen und wenig Sicht – die Bedingungen in tropischen Regenwäldern sind durchaus herausfordernd. Lange war deshalb nicht sicher, ob Menschen schon vor Zehntausenden von Jahren im Dschungel überleben konnten, erzählt Eleanor Scerri vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena: “Man sieht nicht so gut wie in einer Savanne oder im Grasland.” Auch deshalb galt der Regenwald für Menschen lange als unbewohnbar. “Es gab die Argumente, dass es in den Regenwäldern zu wenig Nahrung gäbe”, sagt die Archäologin. Man könne nicht sehen, was man jagt und was einen jagt.

Bis in die 1990er-Jahre schloss man wegen der schwierigen Bedingungen aus, dass Menschen schon vor Zehntausenden von Jahren freiwillig im Regenwald gelebt haben. Doch dann gab es die ersten Funde in Asien, auf Sri Lanka. Hier sollen sich Menschen schon vor etwa 30.000 Jahren in den Regenwald gewagt haben.       

Wie hat das Leben ausgesehen?

Doch neue Analysen einer im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie zeigen, dass bereits vor 150.000 Jahren Menschen in einem tropischen Regenwald lebten – und zwar in Afrika, in der heutigen Elfenbeinküste. Funde von Steinwerkzeugen und Pflanzenanalysen deuten darauf hin, dass Menschen schon viel früher als bisher angenommen im dichten Dschungel lebten.

Anders als Affen hielten sich die Menschen schließlich nicht in den Bäumen auf, sondern mussten sich am Boden durchschlagen: “Man muss also lernen, wie das hier funktioniert”, sagt Scerri, die die Forschungsgruppe Humane Paläosysteme am Max-Planck-Institut in Jena leitet. Sie ist sich aber sicher, dass die Menschen auch schon vor 150.000 Jahren sehr anpassungsfähig waren. Das sei auch eines der zentralen Erfolgsrezepte der Menschen. Sie mussten mit Giftschlangen umgehen, Großkatzen ausweichen und giftige Pflanzen erkennen.

Waldelefanten haben beim Überleben geholfen

Bei ihrem Leben im Regenwald profitierten die Menschen vor allem von großen Bewohnern wie Elefanten oder Waldbüffeln. “Diese großen Pflanzenfresser konnten auch gejagt werden”, sagt Scerri. Aber die Tiere waren nicht nur Beute. Denn die Menschen nutzten auch die Spuren der Tiere, um sich im Regenwald zurechtzufinden. Eine wichtige Hilfe waren zum Beispiel Waldelefanten, sagt die Archäologin.

“Die Waldelefanten legen Pfade an. Die Menschen haben also keine Machete gebraucht, um sich ihren Weg durch den Dschungel zu hacken”, so die Professorin. Die Menschen nutzten also ein dichtes Netzwerk von Pfaden der Waldelefanten. Diese Pfade führten oft auch zu Wasser oder Bäumen, die Früchte trugen.

Menschen waren sehr anpassungsfähig

Die neue Entdeckung zeigt, dass sich Menschen schon sehr früh in verschiedenen Lebensräumen, mal in der Steppe, mal im Regenwald weiterentwickelt haben – und zwar zeitgleich. Menschen waren also von Beginn an sehr anpassungsfähig, sagt die Archäologin und erzählt am Ende noch, wie sie sich bei der Analyse der Fundstelle an der Elfenbeinküste selbst kurzfristig anpassen musste.

Wegen der Corona-Pandemie musste das Forschungsteam die Untersuchungen vor Ort an der Fundstelle abbrechen. “Es gelang uns aber noch Proben zu entnehmen, erst dann sind wir gegangen”, sagt Scerri. Und diese gesicherten Proben waren am Ende entscheidend. Denn kurz danach ist die Fundstelle durch Bergbau zerstört worden.

Die mitgenommenen Funde reichten aber für den Beweis, dass hier im dichten Regenwald schon vor 150.000 Jahren Menschen lebten. Laut der neuen Analyse waren die Urwälder also nicht so unbewohnbar wie lange angenommen und sind ein weiterer Beweis, wie gut sich die Menschen schon früher anpassen konnten.