Deutsche Telekom will Rekorddividende ausschütten

6

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom vermisst Verantwortungsbewusstsein für Zukunftsthemen in Europa – und das gerade aus Deutschland. „Ich frage mich, warum die größte Volkswirtschaft in Europa keinen KI-Gipfel hinbekommen hat“, fragte Tim Höttges am Mittwoch zur Vorlage der Bilanzzahlen der Telekom in Bonn. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron habe es vorgemacht und alle führenden Unternehmen und Politiker nach Paris geholt. Auf der Veranstaltung hatte sich die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dafür ausgesprochen, 200 Milliarden Euro an privaten und öffentlichen Geldern für den Ausbau der KI-In­frastruktur zu mobilisieren. In Deutschland gebe es nichts Vergleichbares, kritisierte Höttges. Auch im eigenen Unternehmen habe er daher angestoßen, eine Cloud-Konferenz auszurichten.

„Wir müssen Technologie- und Wachstumsoptimismus in das Land reinbekommen“, sagte Höttges. Von der neuen Regierung erwarte er da Impulse. In den kommenden Jahren werde es einen Anstieg des Bedarfs an Rechenkapazitäten von mindestens 30 Prozent geben, Unternehmen wie Microsoft investierten hohe Milliardenbeträge in neue Rechenzen­tren. „Wo ist Europa?“, fragte Höttges.

Telekom will mehr Rechenzentren bauen

Die Telekom wolle ihren Beitrag leisten und mehr in diesen Bereich investieren, Unternehmen trügen Verantwortung. „Wir werden sicherlich nicht al­truistisch Geld in die Landschaft schmeißen. Aber ich bin durchaus bereit, mehr Data Center aufzubauen“, sagte Höttges. Dabei gehe es aber nicht nur um Geld, sondern auch um Genehmigungen und eine stabile und günstige Stromversorgung.

Zudem plädierte der Telekom-Chef dafür, dass deutsche und europäische Unternehmen und die öffentliche Hand auch Produkte und Angebote von hiesigen Unternehmen kaufen sollten und nicht nur auf die amerikanischen Hyperscaler zurückgreifen. „Wir können ja nicht nur meckern“, sagte Höttges. Gleichzeitig sei selbst die Telekom als größtes europäisches Telekommunikationsunternehmen allein nicht in der Lage, etwas an der Situa­tion zu ändern. „Wir investieren 16 Milliarden Euro pro Jahr, und das kon­stant“, sagte Höttges, in Deutschland würden 21 Prozent des Umsatzes investiert. „Das sind Werte, da kann man nicht einfach oben draufsatteln.“ Chinesische und amerikanische Cloud-Konzerne erwirtschafteten Überrenditen, die Milliardeninvestitionen ermöglichten.

Nicht auf den „reichen Onkel“ verlassen

Grundsätzlich seien Versuche begrüßenswert, die europäische Souveränität zu unterstützen, wie etwa durch die Ansiedlung von Chipunternehmen in Deutschland. „Ich finde das richtig, dass wir uns ein Stück weit unabhängiger machen von den Märkten auf der Welt. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass es einen reichen Onkel irgendwo gibt, der uns versorgt“, sagte Höttges. Man könne die Amerikaner aber nicht dafür kritisieren, dass sie führend sind, wenn in Europa gleichzeitig zu wenig passiere. „Nur die Wettbewerbsfähigkeit und dass wir eigenständig leistungsfähig sind, ist die Chance, mit den Amerikanern auf Augenhöhe zu sein“, sagte Höttges.

Die Telekom hat auch im abgelaufenen Geschäftsjahr vor allem von der Stärke ihrer amerikanischen Tochtergesellschaft T-Mobile US profitiert. Der Konzernumsatz stieg 2024 um 3,4 Prozent auf 115,77 Milliarden Euro und damit auf einen Rekordwert. Der bereinigte operative Gewinn legte um 6,2 Prozent auf 43,02 Milliarden Euro zu. Der Free Cash Flow, der als Gradmesser für die Dividendenhöhe gilt, verbesserte sich um 18,7 Prozent auf 19,16 Milliarden Euro. Aus diesem Grund will die Telekom auch die höchste Dividende in ihrer Unternehmensgeschichte ausschütten und 90 Cent je Aktie an die Anteilseigner zahlen.

Aktie leicht im Minus

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Telekom einen Betriebsgewinn von rund 44,9 Milliarden Euro und einen Cashflow von etwa 19,5 Milliarden Euro, was im Einklang mit den Mittelfristprognosen vom Kapitalmarkttag steht. Manche Analysten hatten etwas mehr erwartet, auch einige Aktionäre offenbar: Der Kurs der Telekom lag im Tagesverlauf knapp 2,5 Prozent im Minus. „Ich glaube, das sind auch Gewinnmitnahmen, die gerade stattfinden“, sagte Höttges. Der Aktienkurs habe schließlich kürzlich mit 35 Euro ein Hoch erreicht, das es seit mehr als 24 Jahren nicht gegeben habe.

Höttges, dessen Vertrag kürzlich abermals um zwei Jahre verlängert wurde und nun bis Ende 2028 läuft, kündigte an, auch im laufenden Jahr das nächste Rekordjahr anzupeilen und weiter in allen Geschäftsbereichen wachsen zu wollen. „Kein Unternehmen im Telekommunikationsbereich hat solche Größenvorteile. Das wird uns helfen“, sagte Höttges. Die große Exposition im amerikanischen Markt – die Telekom hält 51,5 Prozent an T-Mobile US und behält sich vor, den Anteil weiter aufzustocken – soll das Wachstum antreiben. T-Mobile US hat kürzlich angekündigt, mehr als zehn Milliarden Euro in Übernahmen und Partnerschaften in den USA zu stecken.

Eine zu große Abhängigkeit fürchtet Höttges hingegen nicht. „Wir sind bei Donald Trump gut gelitten, weil wir stark investieren und viele Arbeitsplätze geschaffen haben.“ Gleichzeitig produziere T-Mobile alles in den USA, die Telekom sei also nicht von Zöllen betroffen. Durch bestehende enge Partnerschaften wie mit Softbank – Großaktionär der Telekom – könne sich Höttges zudem vorstellen, auch bei der Technologie-Investition „Stargate“ in den USA als Partner teilzunehmen. Allerdings eher nicht als Investor in Rechenzentren oder Ähnliches. „Ich sehe uns schon als Brückenbauer, wir wollen für Verständigung sorgen“, sagte Höttges. Angesichts der Ankündigung vieler Unternehmen in den USA, ihre Diversitätsprogramme zu überprüfen, sieht er für die Telekom keinen Änderungsbedarf. „Wir werden neutral agieren und unsere Werte nicht verleugnen, die wir als Telekom ausgeprägt haben.“