Beiersdorf wächst stark mit Hautpflege-Innovationen

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Der Beiersdorf-Konzern, der durch Marken wie Nivea, Hansaplast oder Tesa bekannt ist, wird bald mehr als 10 Milliarden Euro Jahresumsatz erzielen, sofern der Plan der Führungsspitze aufgeht. Nachdem im vergangenen Jahr ein Zuwachs um 6,5 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro erreicht wurde, soll dieses Jahr ein Wachstum von 4 bis 6 Prozent realisiert werden, wobei die Umsatzrendite leicht über dem Vorjahreswert liegen soll, so die Prognose. Obwohl damit die Dynamik der vergangenen Jahre nachlässt, folgten Analysten und Anleger der Zuversicht des Beiersdorf-Vorstandschefs Vincent Warnery, der sagte, dass er weiterhin eine Entwicklung über dem Marktniveau erwarte.

Mit einem Plus von 3,7 Prozent setzte sich die Beiersdorf-Aktie vor Rheinmetall und MTU Aero Engines an die Spitze des Dax und pendelte im Tagesverlauf knapp unter 132 Euro. Nach der morgendlichen digitalen Presse- und Analystenkonferenz sehen mehrere Analysten deutliches Kurs­potential. So nennen JP Morgan ein Kursziel von 160 Euro, Goldman Sachs ein Ziel von 150 Euro und das US-Ana­lysehaus Bernstein Research 147 Euro. Den bisher höchsten Kurs hatte die Beiersdorf-Aktie im vorigen Frühjahr mit 147,80 Euro erreicht, danach war die Aktie bis auf 120 Euro zurückgefallen.

Trumps Zollpolitik könnte das Ergebnis schmälern

Zu den aktuellen geopolitischen Risiken, die den Erfolg ausbremsen könnten, zählt für Beiersdorf die Zollpolitik von Donald Trump. Rund ein Drittel dessen, was in den USA verkauft werde, pro­duzierte Beiersdorf auch dort, den Rest au­ßerhalb der Staaten, überwiegend in Mexiko, berichtete Finanzvorständin Astrid Hermann. Sollte es zu einem 25-Prozent-Aufschlag für importierte Produkte kommen, könnte das in der Consumer- Sparte zu einer Ergebnisbelastung von 50 Basispunkten (0,5 Prozentpunkte) führen, sagte sie.

Trotz solcher Unsicherheiten gab sich Vorstandschef Vincent Warnery sehr optimistisch, weil im Pflegebereich viele Innovationen für eine Sonderstellung in der Branche sorgten. „Wir werden wieder die führenden Erfinder im Hautpflegebereich“, sagte Warnery unter Verweis auf die Historie des Traditionsunternehmens. An dessen Anfang stand 1882 die Erfindung des Pflasters als Schnellverband. Fast drei Jahrzehnte später begründete es mit der Markteinführung von Nivea 1911 die moderne Hautpflege.

In den nächsten Jahren will Warnery, dessen Vertrag als Vorstandschef bis 2030 verlängert wurde, das Potential aus drei großen Innovationen schöpfen. Mit Thia­midol wurde in Hamburg ein Wirkstoff entwickelt, der Hautverfärbungen (wie etwa Altersflecken) verblassen lässt. Mit Epicelline hat Beiersdorf neuerdings ein epigenetisch wirkendes Anti-Aging-Mittel im Angebot. Als dritte große Neuerung ist für das Jahr 2026 eine Mikrobiom-Anwendung avisiert, die Akne wirksam, aber ohne Nebenwirkungen bekämpfen soll.

„Das ist ein Rennen. Wir wollen die Ersten sein.“

Die Neuheiten werden sukzessive über alle Marken und Regionen auf den Markt gebracht. Der Start mit dem Anti-Aging-Wirkstoff Epicelline bei der Marke Eucerin im vergangenen Herbst habe Ver­käufe gebracht, die 20 Prozent über den Erwartungen lagen, sagte Warnery. Er räumte aber ein, dass Beiersdorf Tempo machen muss, um den Vorsprung vor der Konkurrenz zu halten: „Das ist ein Rennen. Wir wollen die Ersten sein.“ Der Markthochlauf werde beschleunigt.

Im vergangenen Jahr setzte die Con­sumer-Sparte 8,2 Milliarden Euro um (plus 7,5 Prozent) und erzielte damit knapp 1,1 Milliarden Euro Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Die Ebit-Marge verbesserte sich von 10,7 auf 12,7 Prozent. Das Geschäft mit Klebstoffen (Tesa) wuchs unter anderem wegen schwächelnder Nachfrage aus der Autoindustrie nur um 1,9 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, erzielte damit aber einen Anstieg der Ebit-Marge von 15,8 auf 16,3 Prozent. Die bisher von Norman Goldberg geleitete Tesa-Sparte wird bald eine neue Führungsspitze bekommen. Ein Bericht des „Manager Magazins“, wonach der bisherige Henkel-Manager Kourosh Bahrami die Nachfolge übernimmt, wollte eine Sprecherin nicht kommentieren.