Die britische Entwicklungshilfe-Ministerin Anneliese Dodds ist aus Protest gegen die von Premierminister Keir Starmer verfügten drastischen Kürzungen in ihrem Ressort zurückgetreten. Starmer hatte am Dienstag verkündet, die Ausgaben für Entwicklungshilfe würden in den nächsten beiden Jahren von 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 0,3 Prozent gesenkt werden, um finanziellen Spielraum für die Erhöhung des Wehretats von 2,5 auf 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu gewinnen. Die Kürzungen waren vorher weder in der Partei Starmers noch im Kabinett erörtert worden.
Dodd, die kein eigenes Ressort führt, sondern innerhalb des Außenministeriums für Entwicklungszusammenarbeit zuständig ist, schrieb an Starmer, die Kürzungen würden verzweifelten Hilfsbedürftigen in Afrika und Asien Nahrung und medizinische Hilfe entziehen und „das Ansehen des Vereinigten Königreiches schwer schädigen“. Die Ministerin gab an, sie habe mit ihrem Rücktritt bis zur Rückkehr Starmers von seinen Unterredungen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Washington gewartet, weil es überragend wichtig gewesen sei, dass er dort eine geschlossene Regierung habe präsentieren können.
Starmer hatte zu den Kürzungen geäußert, es sei keine Entscheidung gewesen, die er sich gewünscht habe, doch sei sie zur Stärkung der Sicherheit Großbritanniens notwendig gewesen. Nichts treibe Migration und Armut im Übrigen so sehr an in der Welt wie bewaffnete Konflikte. Dodds argumentierte hingegen in ihrem Rücktrittsschreiben, die schrumpfenden britischen Mittel würden dazu führen, dass Großbritannien in vielen multilateralen Organisationen nichts mehr werde zu sagen haben und dass die britische Stimme in Foren wie den G 7 oder den G 20 schwächer werde.
Auch der konservative Vorgänger Dodds, der Unterhausabgeordnete Andrew Mitchell, kritisierte die Kürzungen scharf. Die Sicherheit Großbritanniens könne nicht nur mit militärischen Mitteln hergestellt werden, argumentierte er. Terrorismus und Armutsmigration müssten an der Quelle mit Entwicklungshilfe bekämpft werden. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass Russland und China in vielen Ländern Afrikas und Asiens nun die Lücken füllen würden, die Großbritannien dort hinterlasse, und ihren Einfluss verstärken könnten.