Wenn in der Nacht auf Montag die Oscars verliehen werden, dann hat Conan O’Brien den vielleicht schwierigsten Job: Der Comedian und Late-Night-Veteran moderiert die Marathon-Show – zum ersten Mal.
“Dinge, die mir Angst machen, ziehen mich magisch an.” Conan O’Brien hat diesen Satz in den vergangenen Jahren häufig gesagt, wenn er auf sein Dasein als Fernsehstar, Comedian und Talkshow-Gastgeber angesprochen wurde. Als ihn die “New York Times” dieser Tage danach fragte, wie er sich unmittelbar vor seinem Auftritt als Moderator der diesjährigen Oscars fühlt, hat er den Satz wieder herausgeholt: “Das ist das, weshalb ich nachts aufwache und nachdenke: Wie kann ich das am besten angehen? Auf eine Art und Weise, die mich kreativ glücklich macht.”
Wenn O’Brien in der Nacht zu Montag deutscher Zeit einen Saal bis zum Bersten gefüllt mit Stars und ein Millionenpublikum vor den Bildschirmen rund um die Welt begrüßen wird, geht es für den 61-Jährigen um weit mehr als sein kreatives Glück. Die Oscars zu moderieren, gilt als einer der schwierigsten und undankbarsten Jobs im Showbusiness, selbst für die abgebrühtesten Komiker oder Talkshow-Profis der Welt.
Undankbar und schwierig in jeder Hinsicht: Die Oscar-Academy hat nicht mehr als 15.000 bis 25.000 Dollar im Budget für den Moderator, ein Trinkgeld nach Hollywood-Maßstäben. TV-Kritiker rund um den Globus lauern mit Popcorn im Mund und gespitztem Stift auf jeden Fehltritt, jeden verpassten Einsatz, jede missglückte Pointe. Das Publikum ist keine klare Zielgruppe: Alle Altersgruppen, alle Milieus, alle Kulturkreise schauen zu. Für Comedians, die meist eine eher enge Fangemeinde haben, ein Albtraum: Jon Stewart, hochpolitischer Gastgeber der “Daily Show”, war vielen Oscar-Fans bei seinen beiden Gastspielen zu zynisch. Seth MacFarlane, Erfinder und Stimme der derben Zeichentrickserie “Family Guy”, wurde nach seinem Auftritt 2013 für seinen Pennäler-Humor hart kritisiert. Chris Rock musste sich 2022 auf offener Bühne von Filmstar Will Smith gar ohrfeigen lassen, weil er sich über dessen Frau lustig gemacht hatte.
Auch Conan O’Brien hat am Sonntag viel zu verlieren. Schon rein optisch fügt er sich nicht wirklich harmonisch ein in den geleckten Glamour einer Oscar-Verleihung. Über seinen dürren 1,93 Metern thront ein schier unkontrollierbar grimassierendes Gesicht, gekrönt von einer roten, kaum zu bändigenden Haartolle, die sein Markenzeichen ist. O’Brien wirkt nicht elegant, eher ungelenk, zappelig, als seien seine Arme und Beine zu lang oder gehörten eigentlich jemand anderem. Er liebt die Parodie, die Übertreibung, das Absurde. Er hat sein halbes Leben lang Witze für Sketche und Comicserien geschrieben, für “Saturday Night Live” oder für die “Simpsons”, bevor er als Talkshow-Host lernen musste, eine Bühne fast alleine zu füllen.
Die Erfüllung dieses Traums, seines Lebenstraums, verlief nicht ohne Enttäuschungen. Als er die “Tonight Show” auf NBC, eine Institution im US-Fernsehen, von Comedy-Urgestein Jay Leno übernehmen durfte, gingen die Quoten in den Keller. Die Kritiken waren durchwachsen: Sein kruder Highschool-Humor passte nicht zum gesetzten Stammpublikum der Sendung. Nach nur sieben Monaten nahm ihm NBC die Show wieder weg und gab sie zurück an Jay Leno. Beide Männer verbindet seitdem eine tiefe Abneigung: O’Brien hat Leno nie verziehen, dass der hinter seinem Rücken beim Sender intrigierte, um die Sendung zurückzubekommen. Sein bitteres Fazit nach dem Rauswurf: “Allen Kindern da draußen will ich sagen: Ihr könnt alles im Leben machen, es sei denn, Jay Leno will es auch.”