Wie schon die erste Präsidentschaft Donald Trumps führt auch seine zweite Amtszeit zu einem tiefen Einschnitt in den deutsch-amerikanischen Beziehungen und einem völlig veränderten Blick der Bevölkerung auf Amerika. 82 Prozent der Bürger haben den Eindruck, dass Europa und Amerika auseinanderdriften und immer weniger durch gemeinsame Ziele und Werte verbunden sind. Schon am Beginn seiner ersten Präsidentschaft waren davon 70 Prozent überzeugt, während dies zuvor eine Minderheitsmeinung war. Die Trendreihen zeigen eine Entfremdung. Gebeten, zu beschreiben, wie nah oder fern dem Einzelnen Amerika persönlich steht, wählen mittlerweile 44 Prozent die beiden Stufen auf einer Siebener-Skala, die für die größte Distanz stehen. Schon während der ersten Amtszeit Trumps lag dieser Anteil bei 40 Prozent, in den Jahren zuvor unter 30 Prozent.
Zwei Drittel gehen davon aus, dass der Ausgang der amerikanischen Wahlen für Deutschland schädlich ist; nur ganze sieben Prozent versprechen sich positive Auswirkungen. 67 Prozent veranschlagen die Risiken der Politik von Trump für ganz Europa ähnlich groß wie die des russischen Präsidenten, acht Prozent noch größer. Noch nie wurden die Beziehungen der USA zu Europa und speziell zu Deutschland so kritisch gesehen wie derzeit: Nur noch elf Prozent halten die Beziehungen für intakt und gut, 78 Prozent für schlecht. Schon am Beginn der ersten Amtszeit Trumps überwogen kritische Urteile bei weitem, völlig anders als während der Amtszeiten von Barack Obama und George W. Bush. Kaum jemand hofft auf Besserung; vielmehr gehen 54 Prozent von einer weiteren Eintrübung der deutsch-amerikanischen Beziehungen aus, 26 Prozent von einem Andauern des derzeitigen unbefriedigenden Zustands.
Bei aller Besorgnis und Enttäuschung hält es die große Mehrheit jedoch für geboten, auch künftig so eng wie möglich mit den USA zusammenzuarbeiten. 72 Prozent halten eine enge Kooperation im Interesse des eigenen Landes für wichtig; das sind zwar weniger als vor einigen Jahren, als mehr als 80 Prozent eine enge Zusammenarbeit für unabdingbar hielten. Aber anders als bei der Bewertung von Übereinstimmung und Beziehungen gibt es hier keine Trendwende und Abkehr.
Trump erweckt Furcht und fasziniert
Die öffentliche Diskussion über Trumps Kurs empfinden viele als der Bedeutung deutsch-amerikanischer Beziehungen nicht angemessen. Die Mehrheit moniert, es werde zu viel kritisiert, statt sich darauf zu konzentrieren, wie man in der derzeitigen Konstellation mit der neuen amerikanischen Regierung auskomme. 53 Prozent der Bevölkerung halten die stete aufgeregte Kommentierung Trump’scher Politik für kontraproduktiv, eine Einschätzung, die von Führungsspitzen aus der Wirtschaft noch nachdrücklicher vertreten wird; von ihnen halten 69 Prozent die Kritik in Teilen für schädlich, 60 Prozent plädieren dafür, sich intensiv um gute Beziehungen zu bemühen. Auch die Mehrheit der Bürger hält dies für richtig; lediglich die Anhänger der Linken und der Grünen vertreten hier eine andere Position. Viele kritisieren in diesem Zusammenhang auch die Berichterstattung der Medien: 41 Prozent halten sie für zu einseitig, nur knapp jeder Dritte für ausgewogen.
Das Urteil der Bevölkerung über Trump ist nur auf den ersten Blick einseitig negativ und teilweise angstbeladen. Dahinter verbirgt sich bei einem bemerkenswert großen Anteil der Bevölkerung Faszination und auch die Überzeugung, dass die Trump’sche Art, Politik zu machen, durchaus Erfolgschancen hat. Vordergründig ist das Urteil der Bürger eindeutig: 75 Prozent sehen Trump kritisch, nur zwölf Prozent haben von ihm eine gute Meinung. Am Beginn seiner ersten Amtszeit war der Konsens noch breiter. Damals fällten nur sieben Prozent ein positives, 81 Prozent ein negatives Urteil. Dass Trump heute tendenziell positiver gesehen wird, hat auch mit dem Erstarken der AfD zu tun. Ihre Anhänger reagieren auf Trump völlig anders als die Anhänger aller anderen Parteien.
Während von den Anhängern von Unionsparteien, SPD, Grünen und den Linken nur verschwindende Minderheiten ein positives Urteil fällen, haben 43 Prozent der AfD-Anhänger von Trump eine gute Meinung, nur 34 Prozent sehen ihn kritisch. Und während 55 Prozent der Bevölkerung bekennen „Donald Trump macht mir richtig Angst“, schließt sich hier nur jeder fünfte AfD-Anhänger an; annähernd zwei Drittel von ihnen äußern, dass Trumps Vorgehen bei ihnen keinerlei Beklemmungen auslöse. Nur die Anhänger der AfD haben auch überwiegend den Eindruck, dass Trump einen klaren Kurs verfolgt. In der Bevölkerung empfinden 65 Prozent das Agieren des amerikanischen Präsidenten als unberechenbar, unter den AfD-Anhängern sind es 38 Prozent.
Die besondere Sicht der AfD-Anhänger
Wieweit Trumps Politik Ängste auslöst, hängt nicht nur mit dem politischen Standort zusammen. Frauen sind wesentlich besorgter als Männer, Westdeutsche mehr als Ostdeutsche. Zwei Drittel der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer ängstigt das Vorgehen Trumps. In Westdeutschland empfinden 59 Prozent den Kurs bedrohlich, in Ostdeutschland nur 38 Prozent. Die Unterschiede lassen sich nicht allein mit der höheren Zustimmung zur AfD im Osten erklären. Denn Männer und Frauen, Ost und West urteilen in Bezug auf ihre Grundhaltung zu Trump und den Eindruck von Unberechenbarkeit ähnlich.
Bei aller Beunruhigung sind doch viele auch fasziniert, wie Trump den Durchmarsch probt. „Egal wie man zur Politik von Donald Trump steht, ist es doch faszinierend, wie er sich gegen alle Widerstände durchsetzt“ – das trifft die Meinung von 37 Prozent der Bevölkerung; schon am Beginn der ersten Amtszeit waren 32 Prozent davon fasziniert. Unter den AfD-Anhängern sind 71 Prozent von der Entschlossenheit und Rücksichtslosigkeit Trumps beeindruckt.
Ob Donald Trump am Ende mit seiner Politik Amerika stärken wird, ist für die meisten nicht ausgemacht. 25 Prozent sind davon überzeugt, 42 Prozent äußern Zweifel. Insbesondere die höheren sozialen Schichten sind skeptisch, ob die enge Fokussierung auf eigene Interessen, die Missachtung von Regeln und das Vorgehen gegen Institutionen, Justiz und Wissenschaft mittel- und langfristig Amerika stärken werden. Die große Mehrheit der Bevölkerung traut Trump jedoch durchaus Erfolge zu: 78 Prozent der Bürger glauben, dass er amerikanische Interessen gegenüber anderen Ländern erfolgreich durchsetzen wird, ebenso viele, dass es ihm gelingen wird, die illegale Einwanderung einzudämmen. 69 Prozent sind überzeugt, dass er erreichen wird, dass andere Länder – also Europa und speziell Deutschland – mehr militärische Verantwortung übernehmen.
Wenig Optimismus bei Ukraine und Nahost
Auch darüber hinaus erwarten viele, dass der amerikanische Präsident die von ihm angestrebten Ergebnisse zumindest partiell erreichen wird. Knapp jeder Zweite nimmt an, dass Künstliche Intelligenz unter Trump erfolgreich gefördert wird, 44 Prozent, dass die amerikanische Wirtschaft zumindest partiell von seinen Maßnahmen profitiert. Befragungen von Führungsspitzen der Wirtschaft in Deutschland zeigen, dass auch sie in ähnlichem Maße positive Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft erwarten – mehr als am Beginn seiner ersten Amtszeit. Damals war nur jeder dritte der befragten Unternehmer und Manager überzeugt, dass sich die Wirtschaft unter Trump positiv entwickeln wird, jetzt geht davon knapp jeder zweite aus.
Die Deutschen sind aber skeptisch, ob davon auch die amerikanische Bevölkerung profitieren wird. Nur 25 Prozent rechnen mit positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, noch wesentlich weniger mit steuerlichen Entlastungen für die Bürger. Auch bei anderen Zielen ist die Bevölkerung eher skeptisch, ob Trumps Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden. Nur 28 Prozent sind überzeugt, dass die Bürokratie erfolgreich zurückgeschnitten wird, 36 Prozent gehen von Erfolgen bei der Beendigung des Ukrainekriegs aus, 18 Prozent bei der Lösung des Nahostkonflikts.
Insgesamt lassen die Ergebnisse erkennen, dass Trumps Politikstil viele zwar verstört, gleichzeitig aber auf wichtigen Feldern als durchaus erfolgsträchtig eingeschätzt wird. Die Frage ist, wie sich die Vorstellungen der Bevölkerung von den Voraussetzungen erfolgreicher Politik entwickeln, wenn sie wie zurzeit nicht nur in den USA, sondern auch in Russland, China und weiteren Ländern mit der kompromisslosen Ausrichtung auf eigene Interessen, Machtkonzentration und der Verachtung demokratischer Prinzipien konfrontiert ist.
Europas Alleinstellungsmerkmale
Europa hat in diesem Umfeld zunehmend eine Alleinstellung mit seiner Ausrichtung auf Demokratie, Gewaltenteilung, starke Institutionen, Regeltreue und Schutz vor Willkür. Aber die Überzeugung, dass dieses Modell aus sich dank seiner Strahlkraft sukzessive in der Welt durchsetzt, schwindet immer mehr. Es ist zu deutlich, dass Europa sich in der Defensive befindet und aus einer Situation der Schwäche, teilweise des Ausgeliefertseins heraus agiert. Zwar hofft die Mehrheit darauf, dass die europäischen Länder enger zusammenrücken. Aber der Bevölkerung ist bewusst, dass sich Europa mit seinen Strukturen schwertut, auf die Herausforderung durch Systeme erfolgreich zu reagieren, die von Machtkonzentration und dem Durchsetzungswillen Einzelner geprägt sind.
Auch die nationale Struktur und Prozedere werden zunehmend kritisch gesehen. 44 Prozent halten das politische System für zu schwerfällig, die stete Suche nach Kompromissen für kontraproduktiv. Von den Anhängern der AfD vertreten 72 Prozent diese Position. Wenn sich Deutschland und Europa den Herausforderungen in den kommenden Jahren nicht gewachsen zeigen, droht dies nicht nur das Vertrauen in Parteien, sondern in das gesamte System zu unterminieren.