Dass in Paris ein europäisches Treffen zum Ukrainekrieg stattfindet, an dem zwar Kanada und Australien teilnehmen, nicht aber die Vereinigten Staaten, zeigt noch einmal anschaulich, welche Folgen Trumps Alleingänge haben: Alles, was er bisher erreicht hat, ist eine Spaltung des Westens.
In der Ukraine dagegen herrscht immer noch Krieg, Russland erhebt selbst für eine Waffenruhe in Teilbereichen weitreichende Forderungen. Selenskyj hat schon recht, wenn er den Amerikanern vorwirft, ihre kremlfreundlichen Kommentare nähmen Druck von Putin. Bisher macht Trump Russland stark, nicht Amerika.
Russland bleibt ein Rivale Amerikas
Eine kluge Politik ist das nicht, selbst wenn ein amerikanisch-russisches Rapprochement geopolitischen Gewinn gegen China abwerfen könnte. Russland bleibt letztlich ein Rivale Amerikas, nicht zuletzt ein potentieller nuklearer Gegner. In Moskau scheint man das derzeit besser zu verstehen als in Washington, aber die Regeln der Weltpolitik will Trump ja auch bei den Zöllen außer Kraft setzen.
Den Europäern bleibt da im Augenblick nicht viel mehr übrig, als das Beste aus ihrem mittelmäßigen Blatt zu machen. Von einer eigenständigen Abschreckung Russlands sind sie noch ein gutes Stück entfernt. Auch eine militärische Absicherung in der Ukraine wäre auf US-Hilfe angewiesen.
Dass Macron nun von einer „Rückversicherungstruppe“ spricht, die nicht in Frontnähe zum Einsatz kommen soll, trägt diesen Realitäten Rechnung. Nicht ohne Grund sucht der Präsident weiter die Abstimmung mit Trump. Wird Merz Kanzler, dann sollte er diesem Beispiel folgen.
Bei den Sanktionen allerdings sollten die Europäer erst mal hart bleiben, da stimmte die Botschaft aus Paris. Es gibt keinen vernünftigen Grund, hier in Vorleistung zu gehen, solange Russland keine Zugeständnisse macht.
In einer Hinsicht hat Trump recht: Amerika ist durch einen großen Ozean von der Ukraine getrennt. Am Ende müssen die Europäer mit Russland leben. Das Ziel muss sein, dass es nicht zu russischen Bedingungen geschieht.