Red Bull tauscht nach nur zwei Saisonrennen den Teamkollegen von Max Verstappen aus. Doch Liam Lawson ist nur der bisher letzte, der im zweiten Cockpit des Erfolgsrennstalls keine Chance hatte. Die Liste enthält einige bekannte Namen.
99 Tage. Nur 99 Tage lang durfte sich Liam Lawson “Red-Bull-Pilot” nennen, ehe der österreichische Rennstall hastigst die Notbremse zog. Nach gerade einmal zwei Rennen in der neuen Saison der Formel 1 wurde der Neuseeländer am Donnerstag zum Fahrer beim kleinen Tochter-Team Racing Bulls – von dem er doch erst vor Saisonbeginn gekommen war – degradiert, Yuki Tsunoda wiederum wurde von dort zum neuen Teamkollegen von Max Verstappen beim “großen” Red Bull befördert. Die fast beispiellos schnelle Demontage des auf der ganz großen Bühne noch so unbeleckten 23-Jährigen war damit abgeschlossen.
“Wir haben die Pflicht, Liam zu schützen und zu fördern, und gemeinsam sehen wir, dass es nach einem so schwierigen Start sinnvoll ist, schnell zu handeln”, erklärte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Bei den Racing Bulls dagegen könne Lawson nun in “einem Umfeld und einem Team, das er sehr gut kennt, weitere Erfahrungen sammeln”, sagte der Brite weiter und verkaufte damit als “Schutzmaßnahme”, was nichts anderes als eine “kopflose” Reaktion war, in der Lawson “wie ein nasser Putzfetzen” weggeworfen worden sei, erklärte in seinen Analysen meist so punktgenaue Sky-Experte Ralf Schumacher dagegen: “Ich finde, zwei Rennen sind einfach zu wenig für einen jungen Fahrer. Man hätte mehr mit ihm arbeiten sollen. Deshalb sage ich: Das Ganze ist kopflos, und ich bin echt überrascht.”
Und, bezeichnender noch für den Erfolgsrennstall: Ihnen passiert der gleiche Fehler immer wieder, dass die Frage gestellt werden kann, vielleicht sogar muss: Lernen sie nicht dazu?
Lawson ist nur der neuste Leidtragende: Ein Ausfall zum Saisonstart in Australien, Platz zwölf danach in Shanghai, dazu schwache Leistungen in den Trainings und Qualifyings – das reichte, um in der Teamführung schnell den Gedanken reifen zu lassen, dass Lawson der anspruchsvollen Aufgabe als Teamkollege des viermaligen Weltmeisters Max Verstappen nicht gewachsen ist. Und Lawson selbst? Der hatte wohl nie eine richtige Chance, das Gegenteil zu beweisen. Aus nach zwei Rennen – das hat eine neue Dimension.
Doch mit der schnellen Entscheidung hat sich der Erfolgsrennstall, der mit Verstappen die Konkurrenz in der “Königsklasse” in den vergangenen Jahren regelmäßig vorführen konnte, schon ganz früh in der Saison 2025 selbst in Unruhe versetzt – auch wenn man sich in der Zentrale in Fuschl am See eigentlich das genaue Gegenteil erhofft. “Ich glaube, Red Bull muss jetzt aus dem Ganzen dringend Konsequenzen ziehen”, meinte Schumacher zuletzt bei Sky weiter – und griff auch die Führungspersönlichkeiten an: Beim Team “harmoniert einfach alles nicht mehr wirklich. Christian Horner scheint auch in seiner Position falschgelegen zu haben.” Mehr noch: “Das ist kein Totalausfall, aber weit davon entfernt ist es auch nicht von Dr. Helmut Marko (Red-Bull-Berater, Anm. d. Red.), der Liam Lawson da zu sehr reingedrückt hat.”
Es ist indes zwar die radikalste, wenn aber nicht die erste Korrektur, die die Führung des Rennstalls an einer Entscheidung vorgenommen hat – denn schon mehrfach erwies sich der erhoffte kongeniale Teamkollege für den ehrgeizigen Verstappen, der in diesem Jahr seinen fünften Weltmeistertitel in Folge einfahren soll, als Fehlgriff – den sich auch Horner und Marko ankreiden lassen müssen.
Denn in den letzten Jahren sind einige namhafte Formel-1-Fahrer sind im Cockpit neben dem Niederländer gescheitert.