Zwar ging die Zahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2023 um 1,7 Prozent auf rund 5,83 Millionen Fälle zurück. Diese Entwicklung ist jedoch ganz wesentlich auf die Teillegalisierung von Cannabis zum 1. April 2024 zurückzuführen. Das ging aus der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2024 am Mittwoch in Berlin hervor.
Sowohl die Gesamtzahl der Straftaten als auch die der Drogendelikte sei somit nicht mit dem Vorjahr vergleichbar, heißt es in der Statistik. Unter der Annahme, dass sich die Fallzahlen im Fünf-Jahres-Durchschnitt entwickelt hätten, hätte es demnach keinen leichten Rückgang der Kriminalität, sondern einen leichten Anstieg gegeben, vermuten die Autorinnen und Autoren.
Im Bereich Drogenkriminalität gab es auch bei Heroin mit minus 14,8 Prozent einen erheblichen Rückgang auf 8634 Fälle. Straftaten im Zusammenhang mit anderen Drogen wie Kokain, LSD oder Metamphetaminen stiegen allerdings im gleichen Zeitraum.
Die Gewaltkriminalität nahm ebenfalls zu – um 1,5 Prozent. Mit bundesweit mehr als 217.000 Gewalttaten erreichte sie im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 2007. Immerhin: Ganz so steil wie im Vorjahr, als 8,6 Prozent mehr Gewalttaten registriert worden waren als 2022, zeigte die Kurve 2024 nicht mehr nach oben.
Bei 6,3 Prozent der vollendeten Gewalttaten – dazu zählen unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung – wurde ein Messer benutzt oder damit gedroht. Um sechs Prozent zugenommen hat im vergangenen Jahr die Zahl der Fälle, in denen mit Schusswaffen gedroht wurde. In 4.687 Fällen wurde laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) mit einer Schusswaffe geschossen – plus 1,9 Prozent.
Während die Zahl der zu Gewalttaten ermittelten deutschen Tatverdächtigen im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent stieg, registrierten die Polizeibehörden von Bund und Ländern bei den nicht deutschen Tatverdächtigen hier eine Zunahme um 7,5 Prozent. Allerdings weist das Bundeskriminalamt (BKA) darauf hin, dass auch der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung im Verlauf des Jahres zugenommen hat. Studien zeigen zudem, dass Menschen eine Tat eher zur Anzeige bringen, wenn sie vermuten, dass der mutmaßliche Täter ein Ausländer ist.
Die geschäfstführende Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte dazu, man müsse dieses Thema „ohne Scheu aber auch […] ohne Ressentiments zu schüren“ ansprechen. Sie wolle, dass ausländische Straftäter Deutschland schneller verlassen, sagte sie. „Wer sich nicht an die Regeln hält, muss gehen“, so Faeser. Für die hohe Zahl an ausländischen Verdächtigen könne es Ursachen geben, sagte Faeser, aber es gebe „keinerlei Rechtfertigung für Gewalt“.
Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sagte dazu, nicht die Migration an sich sei das Problem, sondern die besondere Form der Migration. Es seien vor allem junge Männer aus dem Ausland gekommen, und diese seien öfter kriminell, als wenn es nur Frauen mit Kindern gewesen wären. BKA-Präsident Holger Münch unterstützte dieses Argument. Es gebe bei den jungen Männern eine Ballung von Risikofaktoren, sagte er am Mittwoch.
Keinen allgemeinen Trend kann man laut BKA aus der starken Zunahme von Fällen im Bereich der Wirtschaftskriminalität ablesen. Hier stieg die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 57 Prozent auf rund 22.400 Fälle an. Grund dafür sei der Abschluss zum Teil mehrjähriger Ermittlungen in Sammelverfahren mit einer Vielzahl von Geschädigten, heißt es in den Erläuterungen zur Statistik.
Im Feld Cybercrime gingen die Zahlen leicht um 2,2 Prozent auf 131.391 zurück. Das ist das zweite Jahr in Folge, in dem die erfasste Kriminalität hier zurückging. Die Autorinnen und Autoren weisen aber auf ein in diesem Bereich oft großes Dunkelfeld hin: „Da bislang keine aktuellen bundesweiten Ergebnisse zur Veränderung des Dunkelfelds im Bereich Cyberkriminalität vorliegen, bleibt zunächst unklar, ob die Veränderung in den Fallzahlen auf eine tatsächliche Veränderung der Häufigkeit oder auf eine Veränderung im Anzeigeverhalten zurückzuführen sind.“
2024 gab insgesamt 1,3 Millionen Opfer von vollendeten oder versuchten Straftaten. Das ist zwar eine Zunahme von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr – diese liegt aber auch an einer Ausweitung der Opferdefinition, die der Berechnung zugrundeliegt. „Somit sind die Daten zu den Opfern insgesamt nicht mit denen der Vorjahre vergleichbar“, heißt es in der Statistik.
58,5 Prozent der Opfer waren männlich, 41,5 Prozent weiblich. Kinder, Jugendliche und Heranwachsende machten zusammen rund 23 Prozent der Opfer aus. 25,8 Prozent der Opfer waren Ausländerinnen und Ausländer.