Frankfurter Sparkasse wirbt mit Tiktok und Filialen um Kunden

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Pommes im Geldautomaten? Offenbar kommt es vor, dass Bankkunden Büroklammern, Münzen oder eben Pommes frites in den Schacht werfen, der an Geldautomaten eigentlich Scheinen vorbehalten ist. Das zumindest lernt man auf dem Tiktok-Kanal der Frankfurter Sparkasse. Dort ist auf einem Video eine junge Mitarbeiterin zu sehen, wie sie sich über einen kaputten Geldautomaten ärgert – und wie sie dann erklärt, was das Gerät verträgt und was nicht. So viel sei verraten: Pommes gehören nicht dazu.

Lange hatte die Frankfurter Sparkasse kein sehr modernes Image, sagt Ingo Wiedemeier, „das müssen wir uns eingestehen“. Wiedemeier ist Vorstandsvorsitzender des Instituts, das zu den fünf größten seiner Art in Deutschland gehört. Inzwischen investiere man, um das zu ändern, etwa in das Projekt mit dem Titel 069NXT – einem Claim, der mit der Vorwahl den Bezug zu Frankfurt herstellen soll und sich an die junge Generation richtet.

Unter dem Motto veranstaltet die Sparkasse After-Work-Events, die laut Wiedemeier stets schnell ausgebucht sind, bietet ein gebührenfreies Girokonto bis zum 30. Lebensjahr an und wirbt eben mit Tiktok-Videos über Geldautomaten, hessischen Dialekt oder Finanzwissen für das eigene Unternehmen. Der moderne Anstrich wirkt, die Zahl der Bewerbungen um eine Ausbildung bei der Fraspa sei 2024 um die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, sagt der Vorstandschef. Zudem nehme man wahr, dass viele junge Menschen bei der Sparkasse Konten eröffneten, allein im vergangenen Jahr waren es bei dem Kontomodell 069NXT dem Unternehmen zufolge 20.000 Neueröffnungen. Erstmals übertraf die Zahl der Girokonten bei dem Unternehmen die Marke von 500.000.

Sparkasse modernisiert Filialen

Dass jüngere Kunden offener für Online-Angebote der Bank sind, liegt auf der Hand. Im Widerspruch dazu scheint jedoch ein weiterer zentraler Baustein der Verjüngungsstrategie der Sparkasse zu stehen, mit dem neue Kunden angesprochen werden sollen. Das Unternehmen investiert zurzeit viele Millionen in die Modernisierung seiner Filialen. Erst in der vergangenen Woche wurde im Stadtteil Höchst eine neue Dependance eröffnet – moderner und offener. Nach und nach sollen weitere 41 Zweigstellen des Hauses aufgehübscht werden.

Damit agiert die Sparkasse gegen den Trend der Branche: Gab es 2020 bundesweit noch gut 24.000 Zweigstellen, ist die Zahl bis Ende 2023 auf 19.500 gesunken. Dass man bei der Fraspa dagegen überzeugt ist vom Wert der Filialen, demonstriert Vorstandschef Wiedemeier am Beispiel Höchst: Allein dort habe das Institut 13.000 Kunden. Selbst wenn also, wie derzeit bei der Bank üblich, nur ein Drittel regelmäßig eine Filiale besuche, sei in den Geschäftsstellen „immer noch ziemlich viel Betrieb“, wie der für das Privatkundengeschäft zuständige Fraspa-Vorstand Sven Matthiesen sagte.

Zwar gebe es immer mehr Kunden, die Bankgeschäfte ausschließlich online abwickelten; allerdings suchten sie auch weiterhin Beratung und Unterstützung. Auch das spreche für Filialen. Und da viele Wettbewerber laut Matthiesen so freundlich gewesen seien, sich aus der Fläche zurückzuziehen, stelle man fest, dass Kunden häufig von der Konkurrenz zur Sparkasse wechselten.

Abschied auf Raten: Die Fraspa soll 2027 an die Hauptwache umziehen und dem Schauspielhaus Platz machen
Abschied auf Raten: Die Fraspa soll 2027 an die Hauptwache umziehen und dem Schauspielhaus Platz machenFrank Röth

Das schlägt sich auch in den Zahlen des Hauses wieder. Im vergangenen Jahr verdiente die Sparkasse vor Bewertung 181 Millionen Euro, das entspricht einem Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Grund für das gute Ergebnis in einem laut Wiedemeier konjunkturell und politisch schwierigen Umfeld war das Interesse der Kunden an Wertpapieren: Insgesamt stieg laut Sparkasse die Summe des Geldes auf Wertpapierdepots allein bei der Fraspa von 6,8 auf 7,9 Milliarden Euro, die Zahl der Depots wuchs binnen Jahresfrist um 4600 auf 96.000.

Neben der Renovierung der Filialen steht bei der Fraspa ein großes Bauprojekt auf dem Plan: Am jetzigen Unternehmenssitz an der Neuen Mainzer Straße soll das neue Schauspielhaus entstehen, die Sparkassen-Zentrale zieht an die Hauptwache. Weil dort die Baupläne, die nicht mehr zu den ersten Gedankenspielen passten, geändert werden müssten, erfolge der Umzug Stand jetzt erst Ende 2027, so Wiedemeier. Verworfen wurde der Plan für Ladengeschäfte im Erdgeschoss, bei der vorgesehenen Gastronomie soll es jedoch bleiben. Schließlich brauche man auch selbst ein Essensangebot. Dann vermutlich auch mit Pommes frites – aber nur für den Teller, nicht für den Geldautomaten.