Was er bisher mit seinen Zöllen erreichte

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Handelspolitik

Der Weg zum „Befreiungstag“

Von Claudia Bothe (Grafik) und Patrick Welter (Text)



2. April 2025 · Donald Trump spricht von einem „Befreiungstag“. Mit einer Reihe von Zollerhöhungen will er am 2. April die angebliche Ausbeutung Amerikas durch die Handelspartner beenden und der heimischen Wirtschaft einen Schub geben. FAZ.NET gibt einen Überblick über die bisherige Zollpolitik Trumps.




Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten sich immer mehr dem internationalen Handel geöffnet und ihre Einfuhrzölle stufenweise immer weiter gesenkt. Präsident Donald Trump kehrt diese Öffnung nach außen um. Schon in seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2021 erhöhte er die Einfuhrzölle. Jetzt legt Trump die Zolllatte noch viel höher. Mit den bestehenden und schon bislang angekündigten Zusatzzöllen stiege der allgemeine Durchschnittszoll auf die Wareneinfuhr in die USA auf 9,4 Prozent. So hoch lag das amerikanische Zollniveau zuletzt im Jahr 1946. Die neuen Zölle des „Befreiungstags“ sind dabei noch nicht berücksichtigt.






Trump strebt mit den Einfuhrzöllen an, das amerikanische Handelsbilanzdefizit zu verringern. Seit den 1980er-Jahren kaufen die Amerikaner regelmäßig mehr Waren im Ausland als sie im Gegenzug dahin liefern. Der amerikanische Überschuss im Dienstleistungshandel gleicht das Defizit nicht aus. Das Handelsbilanzdefizit ist seither gewachsen. Trumps Zölle in seiner ersten Amtszeit haben das Defizit nicht verringert.








Biden wird abgewählt und verlässt das Weiße Haus am Jahresbeginn 2025. In seiner Amtszeit erzielten die Vereinigten Staaten mehr Einnahmen durch die von Trump eingeführten Zölle als in der ersten Amtszeit von Trump.




Am 20. Januar 2025 ist Trump wieder im Amt. Gleich am ersten Tag beginnt er per Dekret die Vorbereitungen für drastische und weitreichende Zollerhöhungen. Wenige Tage später kündet Trump pauschale Zölle von 25 Prozent auf die Einfuhr auf Kanada und Mexiko an, die er schon drei Tage später wieder um 30 Tage verschiebt. Es beginnt ein Hin und Her an Ankündigungen und Drohungen mit Zöllen, die am „Befreiungstag“, dem 2. April, einen vorläufigen Höhepunkt finden.




Die amerikanischen Importzölle haben im gesamten Handelsbilanzdefizit keinen sichtbaren Einfluss hinterlassen. Das Handelsbilanzdefizit insgesamt ist in den vergangenen Jahren gestiegen und dabei besonders stark gegenüber Deutschland, der Europäischen Union oder gegenüber Mexiko. Gegenüber dem für die Amerikaner wichtigsten Handelspartner China hat das Handelsbilanzdefizit sich nicht weiter vergrößert.


Das Handelsbilanzdefizit der USA nach Partnern

Warenhandel in Millionen Dollar



Die Importzölle verringern die amerikanische Einfuhr und – wegen der tendenziellen Abwertung des Dollar – auch den amerikanischen Export. Als Steuer auf den Außenhandel wirken die Trumpschen Zölle so dem internationalen Warenaustausch in beide Richtungen entgegen. Das drückt auf die Wirtschaft und das Wachstum in den Vereinigten Staaten und in den Exportländern. Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel haben berechnet, welche Länder besonders stark von dem 25-Prozent-Zoll auf die Autoeinfuhr betroffen sind, der an diesem Mittwoch in Kraft treten soll. In der Produktion sind besonders Mexiko und Kanada betroffen, im Export die Vereinigten Staaten selbst.




Ein anderes Szenario zeigt, wie stark die Wirtschaftsleistung sinkt, wenn Trump einen generellen Zoll von 25 Prozent auf die Einfuhr aus der Europäischen Union erhebt und die EU mit einem Gegenzoll von 25 Prozent antwortet. Deutschland als besonders stark vom Export abhängiges Land wäre dabei besonders betroffen.




Der wichtigste Primäreffekt der Zölle ist, dass die Preise in den Vereinigten Staaten steigen. Einem Präsidenten, der im Wahlkampf noch gegen die Inflation gewettert hatte, kann das nicht recht sein. Ein Beispiel: Die Einfuhrzölle auf ausländische Waschmaschinen aus seiner ersten Amtszeit hatten nach kurzer Zeit die Preise auf Waschmaschinen in Amerika um 19 Prozent steigen lassen. Auch inländische Hersteller nutzten die Gelegenheit, um ihre Preise anzuheben. Vor der neuen Zollrunde am „Befreiungstag“ argumentiert Trump nun, dass die Amerikaner im gesamtwirtschaftlichen Interesse die Belastungen durch höhere Preise hinnehmen müssten.