Siemens baut Softwaregeschäft weiter aus

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Siemens baut sein Geschäft mit Software und Künstlicher Intelligenz weiter aus. Am Mittwochabend teilte der sich immer stärker digitalisierende Technologiekonzern die Übernahme von Dotmatics mit. Der amerikanische Softwareentwickler für die Pharmabranche kostet 5,1 Milliarden Dollar. Es ist binnen weniger Monate die zweite Milliardenakquisition von Siemens. Ende Oktober wurde der Kauf des auf Industriesoftware spezialisierten US-Unternehmens Altair bekanntgeben. Es kostete zehn Milliarden Dollar.

Weiterer Beteiligungsabbau

„Die Übernahme von Dotmatics ist Teil unseres Wachstumsprogramms ,One Tech Company’, mit dem wir unsere führende Position bei Industriesoftware weiter ausbauen und unseren Kunden helfen, noch schneller innovativ zu sein”, sagte der Vorstandsvorsitzende Roland Busch. Die Übernahme von Dotmatics soll im Winter 2025/26 vollzogen werden. Zur Finanzierung will Siemens abermals auf die Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen zurückgreifen.

Finanzvorstand Ralf Thomas verwies dabei auf den Anteil an der in der Medizintechnik tätigen Tochtergesellschaft Siemens Healthineers. Für die in der vergangenen Woche abgeschlossene Altair-Übernahme will Siemens den Healthineers-Anteil von 75 auf 70 Prozent reduzieren.

Davon wurden schon Aktien im Volumen von 2,3 Prozent für 1,45 Milliarden Euro veräußert. Im Zuge der Dotmatics-Übernahme dürfte die Beteiligung an Healthineers unter 70 Prozent sinken. Darüber hinaus hält Siemens noch elf Prozent an Siemens Energy, die ebenfalls zur Finanzierung herangezogen werden könnten. Für die Altair-Finanzierung ist der Anteil um sechs Prozentpunkte mit einem Erlös von 2,5 Milliarden Euro abgebaut worden.

Hohes Marktpotenzial

Mit Dotmatics erhöht sich nach Angaben von Siemens der adressierbare Gesamtmarkt für Industriesoftware um elf Milliarden Dollar. Zuvor hatte das Volumen bei 68 Milliarden Dollar gelegen. Mittelfristig erwartet Siemens aus dem jüngsten Zukauf Umsatzsynergien von rund 100 Millionen Dollar im Jahr, die sich langfristig auf über 500 Millionen Dollar erhöhen sollen.

Verkäufer des in Boston ansässigen Softwareentwicklers ist die auf Wagniskapital spezialisierte US-Beteiligungsgesellschaft Insight Partners. Dotmatics bietet nach Angaben von Siemens eine marktführende Plattform mit einem hochprofitablen Portfolio an wissenschaftlichen Anwendungen und multimodalem Datenmanagement für Forschung und Entwicklung im Bereich Life Sciences.

Dabei setzt Dotmatics in der Forschungs- und Entwicklungssoftware auch Künstliche Intelligenz (KI) ein. KI habe sich in zahlreichen Branchen zu einer transformativen Kraft entwickelt, und ihre Anwendung in den Life Sciences gewinne zunehmend an Bedeutung, erklärte Siemens-Chef Busch. Siemens erwartet ein hohes Potenzial am Markt für Gesundheitsforschung.

Der Markt unterliege strukturellen Veränderungen wie dem steigenden Arzneimittelbedarf durch eine alternde Gesellschaft und einem verbesserten Zugang zur Gesundheitsversorgung, neuen Behandlungsmöglichkeiten durch wissenschaftlichen Fortschritt sowie der Notwendigkeit verstärkter Kooperation und Transparenz entlang komplexer Wertschöpfungsketten. Aufgrund der nötigen digitalen Transformation erwartet Siemens, dass sich die Ausgaben für Software in den nächsten fünf Jahren verdoppeln werden.