In der Formel 1 zeichnet sich ein teaminternes Duell um den WM-Titel ab. Noch verstehen sich die Kontrahenten gut, doch die Erfahrung zeigt: Das dürfte sich schnell ändern.
Noch sind Lando Norris und Oscar Piastri zu Späßen aufgelegt. Die beiden McLaren-Piloten dominierten den Saisonstart der Formel 1 in diesem Jahr und teilten sich die zwei Grand-Prix-Siege untereinander auf. Während Norris in Australien ganz oben auf dem Treppchen stand, triumphierte Piastri beim Rennen in China. Es ist ein Bild, das sich angesichts der Überlegenheit des McLaren (zumindest über eine volle Renndistanz) durch die ganze Saison ziehen könnte.
Norris und Piastri könnten den Fahrertitel unter sich ausmachen. Es ist ein Umstand, der den beiden McLaren-Piloten aktuell noch viel Freude bereitet. Auf der Pressekonferenz nach dem Rennen in China witzelten sie darüber, wie Teamkollegen bereits in der Vergangenheit im WM-Kampf aneinandergeraten waren. Die beiden Fahrer bemühen sich merklich um Lockerheit. Die Szene zeigte jedoch auch, dass Norris und Piastri ihre prekäre Situation durchaus bewusst ist. Sie wissen: Zwischen ihnen kann es eigentlich nur knallen.
Beispiele für Teamkollegen, die zu erbitterten Feinden wurden, gibt es viele – auch mit deutscher Beteiligung. Sebastian Vettel und Mark Webber arbeiteten zwischen 2009 und 2013 bei Red Bull als Teamkollegen zusammen. Fans aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben: der sogenannte “Multi 21”-Vorfall. Dieser ereignete sich beim Großen Preis von Malaysia im Jahr 2013. Die beiden Red Bulls führten das Rennen souverän an. Webber lag in Führung, Vettel unmittelbar dahinter auf Platz zwei.
Um dieses für das Team optimale Ergebnis nicht zu gefährden, teilte der Rennstall Vettel über den Boxenfunk unter dem Code “Multi Map 21” mit, dass er seine Position halten und Webber nicht angreifen solle. Doch Vettel, bestrebt in der Saison seinen vierten Fahrertitel in Folge zu gewinnen, widersetzte sich der Teamorder. Es folgte ein hitziges Rad-an-Rad-Duell zwischen den Teamkollegen, das Vettel am Ende für sich entschied. Schon im Aufenthaltsraum vor der Siegerehrung herrschte entsprechend dicke Luft zwischen den Fahrern, als Webber seinen Teamkollegen mit dessen Fehlverhalten konfrontierte. Vettel entschuldigte sich später für den Vorfall, doch das Verhältnis zu Webber war nicht mehr zu reparieren – auch wenn es nur noch für den Rest der Saison andauern sollte.
Einen längeren Konflikt lieferten sich da Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Die beiden waren bereits seit Jugendzeiten gute Freunde gewesen, als sie 2013 bei Mercedes Teamkollegen wurden. Alles sah nach der perfekten Kombination aus. Doch ab 2014 stellte Mercedes das mit Abstand beste Auto der Formel 1. Drei Saisons lang machten Hamilton und Rosberg den WM-Titel stets unter sich aus. Die freundschaftlichen Duelle, wie etwa in Bahrain 2014, als sie sich über mehrere Runden gegenseitig überholten und sich anschließend fröhlich kichernd über ihr Duell an der Spitze unterhielten, dauerten nicht lange an.
Schnell kam es zwischen den beiden zu ersten Kollisionen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Die Freundschaft schlug in erbitterte Rivalität um. Szenen, wie nach dem US-Grand-Prix 2015, als sich Hamilton und Rosberg gegenseitig mit einer Kappe bewarfen oder der spektakuläre Crash der beiden beim Spanien-Rennen 2016, prägten nun das Verhältnis der beiden einstigen Freunde. Ein Verhältnis, das auch seit Rosbergs Karriereende 2016 noch nicht wieder gänzlich repariert werden konnte.
Wenn es um teaminterne Rivalitäten geht, hat man jedoch vor allem bei McLaren selbst einige Erfahrungen gesammelt. Bereits Ende der 1980er-Jahre lieferten sich Ayrton Senna und Alain Prost in ihren McLaren enge Duelle um die Weltmeisterschaft, inklusive eines hoch kontroversen und WM-entscheidenden Unfalls beim Rennen in Japan 1989.