Die rund 2000 Partner der amerikanischen Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) haben ihrem globalen CEO Christoph Schweizer eine zweite Amtszeit gewährt. Der 52 Jahre alte Deutsche, der den Posten 2021 von seinem Mentor Rich Lesser übernommen hatte, bleibt somit voraussichtlich bis 2029 im Amt, danach ist eine dritte Amtszeit für den gebürtigen Freiburger nach den internen Statuten nicht mehr möglich. Beim Erzrivalen McKinsey lief der Wiederwahl des amtierenden Chefs im vergangenen Jahr weniger geschmeidig. Bob Sternfels brauchte drei Wahlgänge und konnte seine zweite Amtszeit am Ende erst in einer Stichwahl durchsetzen. Der McKinsey -Chef hatte sicherlich auch dafür büßen müssen, dass die Aufarbeitung des Opioid-Skandals in Amerika sehr viel Geld kostet, und daher auch weniger Geld zur Verfügung steht, das an die Partner ausgeschüttet werden kann.
BCG ist im vergangenen Jahr wieder stark gewachsen. Der weltweite Umsatz stieg um 10 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Das Jahr 2024 sei schon das einundzwanzigste Jahr in Folge, in dem BCG gewachsen ist, sagte BCG-Deutschlandchef Michael Brigl am Mittwochabend auf einem Treffen mit Journalisten im Düsseldorfer BCG-Büro auf der Königsallee. Die Zahl der Mitarbeiter rund um die Welt ist im vergangenen Jahr um rund 1000 auf jetzt 33.000 gestiegen. Zum Vergleich: McKinsey ist mit rund 45.000 Mitarbeitern noch etwas größer.
Allein in der Geschäftsregion Zentraleuropa, zu der BCG neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch noch Osteuropa zählt, habe BCG im vergangenen Jahr rund 1000 Mitarbeiter neu eingestellt – etwa zwei Drittel davon in Deutschland. In diesem Jahr plant BCG laut Brigl in einer ähnlichen Größenordnung. Ein großer Teil der Neueinstellungen bei Beratungsunternehmen wird freilich auch dafür gebraucht, um Stellen im Rahmen der in der Branche traditionell sehr hohen Fluktuation wieder neu zu besetzen.
„Wir sehen große Wachstumschancen in den Sondervermögen“
Mit seinen Wachstumszahlen liegt BCG deutlich über dem Branchendurchschnitt. Die Zahlen des Branchenprimus McKinsey stehen allerdings noch aus. McKinsey wird seinem weltweiten Umsatz erst im Mai veröffentlichen. Genaue Zahlen zu einzelnen Ländern geben die großen Beratungsunternehmen schon seit Jahren nicht mehr bekannt. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) hatte Anfang der Woche Zahlen vorgelegt, wonach die hierzulande stark mittelständische geprägte Branche mit insgesamt rund 26.000 Beratungsunternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent gewachsen ist. Das ist zwar weniger als im langjährigen Mittel, aber angesichts einer leicht schrumpfenden Gesamtwirtschaft doch beachtlich.
Auch für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Brigl für Deutschland sehr zuversichtlich, das Jahr 2025 habe schon gut angefangen. BCG profitiert dabei laut eigener Aussage vom starken Beratungsbedarf rund um künstliche Intelligenz und geopolitischen Unsicherheiten: „In allen Teilen der Welt stehen Unternehmen als Folge geopolitischer Entwicklungen und eines unsicheren makroökonomischen Umfelds unter Handlungsdruck“, sagte Brigl. Auch von der Politik der neuen Bundesregierung verspricht sich Brigl einiges: „Wir sehen große Wachstumschancen in den Sondervermögen“, sagte Brigl. Vor allem deshalb, weil es vielen BCG-Kunden Rückenwind gebe. Auf Nachfrage sagte Brigl, BCG scheue sich auch nicht, Rüstungsunternehmen zu beraten. In dieser Sparte würden gerade neue Teams aufgebaut. Bei der Bundeswehr selbst habe BCG derzeit kein Mandat, man schrecke davor aber auch nicht zurück.
Für deutlichen Schub sorgt auch, dass sich etliche Unternehmen in Sachen KI von den Beratern helfen lassen. Rund 20 Prozent des BCG-Umsatzes stammte im vergangenen Jahr aus Beratungsleistungen im Bereich KI. Und BCG rechnet damit, dass dieser Anteil „weiterhin stark ansteigen wird“, weil die Finanzvorstände großer Unternehmen messbare Erfolge sehen wollen. Laut Andrej Levin, dem Chef der BCG-KI-Sparte X, werden innerhalb der Unternehmen auch kritische Stimmen lauter, die bemängeln, dass viel Geld für KI ausgegeben werde, bisher aber zu wenig finanzieller Erfolg dabei herausspringe.
Neue Büros in Frankfurt und Berlin
In Frankfurt und Berlin wollen die Berater der Boston Consulting Group in diesem Jahr in neue Büros umziehen. In Frankfurt will BCG im Spätherbst in den neuen 233 Meter hohen Wolkenkratzer „Four T1“ an der Großen Gallusstraße umsiedeln, dort werden die Berater in den 39. Stock und die fünf Stockwerke darüber ziehen. In Berlin will BCG seine bisher verstreuten Büros mitsamt der spezialisierten Tochtergesellschaften wie der IT-Sparte Platinion, der Purpose-Sparte Brighthouse und der Einkaufsberatung Inverto bündeln im Quartier „Mediaspree“ in Friedrichshain-Kreuzberg.