Warum Lesotho so stark betroffen ist

8

Vor wenigen Wochen sagte Donald Trump, er habe noch nie etwas von Lesotho gehört. Jetzt hat die amerikanische Regierung die kleine Monarchie inmitten von Südafrika mit einem der höchsten Zölle international belegt. 50 Prozent werden auf Importe gemäß der Ankündigung des US-Präsidenten in der Nacht zum Donnerstag fällig. Lesotho liefert vor allem Bekleidung für Marken wie Levi Strauss und GAP. Im eigenen Land ist die Textilindustrie der mit Abstand größte Arbeitgeber.

Für afrikanische Länder ist die Veränderung besonders groß. Bisher hatten sie zollfreien Zugang zum amerikanischen Markt für Tausende Produkte nach dem von Präsident Bill Clinton im Jahr 2000 gestarteten Handelsprogramm AGOA. Jetzt werden Zölle über den Kontinent hinweg von mindestens zehn Prozent erhoben, Lesotho und weitere Länder trifft es noch härter. Für Madagaskar etwa gilt ein Zoll von 47 Prozent, für Botswana sind es 37 Prozent, für Angola 32 Prozent und für Südafrika 31 Prozent.

Die offiziellen Reaktionen afrikanischer Regierungen blieben am Donnerstag verhalten. Der südafrikanische Handelsminister Parks Tau hatte am Dienstag angekündigt, sich um ein Treffen zu bemühen, um über die Zölle auf Autos zu sprechen. Das Land ist ein Traditionsstandort für internationale Produzenten, unter ihnen Ford. Ausgerechnet der amerikanische Hersteller könnte die Zölle nun am härtesten zu spüren bekommen. Wichtige Rohstoffe aus Südafrika wie Platin, Gold und Mangan wurden von den Zöllen ausgenommen, landwirtschaftliche Produkte nicht.

Zollunionen blieben außer Betracht

Experten sprachen am Donnerstag von teils absurden Tarifen, deren Berechnung sich nur schwer nachvollziehen lasse. Nach US-Angaben handelt es sich um die Hälfte der von den jeweiligen Ländern auf amerikanische Waren erhobenen Zölle, einschließlich weiterer Handelshürden und „Währungsmanipulationen“.

Im Falle Südafrikas etwa liegt der durchschnittliche generelle Zoll bei 7,6 Prozent. Nur bei vereinzelten Produkten wie etwa Hühnchenteilen ist es deutlich mehr. Auch Zollunionen blieben außer Betracht. So hat ­die Zollunion des Südlichen Afrika ­­(SACU), der Südafrika, Namibia, Botswana, Eswatini und Lesotho angehören, einen gemeinsamen Außenzolltarif, um einheitliche Bedingungen für Importe zu schaffen und den Binnenhandel zu fördern. Jetzt werden die Staaten von den USA differenziert betrachtet. Das könnte sich auch auf den Handel untereinander auswirken.

„Kritische Mineralien“ als Trumpf?

Es gilt als unwahrscheinlich, dass afrikanische Regierungen mit Gegenzöllen in einen Handelskrieg einsteigen, dafür ist Afrikas Anteil am Handel mit den USA zu gering. Völlig wehrlos seien sie aber nicht, sagt Eckart Naumann, Handelsökonom in Kapstadt, der F.A.Z. Einige Staaten wie die Demokratische Republik Kongo, Südafrika und Simbabwe beispielsweise verfügten über „kritische Mineralien“, an denen auch die USA sehr interessiert seien. Südafrika ist der größte Platinlieferant der Welt, im Kongo liegen die größten Vorkommen von Kobalt und Coltan. Zugleich stehen andere Partner wie China bereit.

Für viele der ärmsten Länder der Welt ist es jedoch der nächste Schlag nach dem Aussetzen der Entwicklungshilfe USAID. Prognosen sind schwierig. Die Folgen für die individuellen Länder hingen auch von den jetzt neu entstandenen Zollunterschieden im Vergleich zu den Wettbewerbern aus der restlichen Welt ab, sagt Naumann. Vorteile für afrikanische Lieferanten seien in bestimmten Konstellationen nicht ausgeschlossen, beispielsweise wegen niedrigerer Arbeitskosten oder saisonaler Unterschiede in der Landwirtschaft.