Das Reizthema Thomas Müller löst beim FC Bayern weiter große Unruhe aus. Auch Sportvorstand Max Eberl kommt deshalb immer mehr in Bedrängnis. Er reagiert zunehmend genervt.
Die Verantwortlichen des FC Bayern um Sportvorstand Max Eberl wussten ganz genau, was auf sie zukommen würde. Nicht ohne Grund bat Pressesprecher Dieter Nickles die anwesenden Reporter zu Beginn der Abschlusspressekonferenz des Rekordmeisters am Donnerstagvormittag darum, zunächst bitte nur sportliche Fragen zum Spiel am Freitag (20.30 Uhr im t-online-Liveticker) beim FC Augsburg zu stellen.
Als die nach knapp zehn Minuten alle beantwortet waren, holte Eberl und die Bayern das Thema dieser Woche aber dennoch unweigerlich ein: die Zukunftsfrage bei Thomas Müller. Der hatte der “Kicker” am Sonntag mit einem Bericht vermeintlich bereits eine gewisse Endgültigkeit verliehen. Demnach sei bereits beschlossen, dass die Vereinsikone nach 17 Profijahren beim FC Bayern nun keinen neuen Vertrag mehr in München erhalten werde.
Eberl mauert nun in der Frage zur Zukunft der Bayern-Legende und äußerte sich wenig konkret. Mehr noch: Eigentlich wollte Eberl gar nichts zu diesem brisanten Reizthema sagen. “Ich werde hier nicht über Thomas sprechen, wir reden mit Thomas. Wenn wir eine Entscheidung getroffen haben, dann geht es nach draußen – und dann wird man es erklären”, sagte Eberl nur. “Momentan wird es medial getrieben. Weder Thomas noch wir haben offiziell etwas dazu gesagt, außer, dass wir was verkünden, wenn es was zu verkünden gibt, wenn die Gespräche abgeschlossen sind. Das findet gerade statt.”
Eberl ließ wissen, dass ihm das “Vorwegnehmen” von Entscheidungen und Bewertungen durch Medien und Experten vor einer offiziellen Verlautbarung seitens des Vereins oder des Spielers missfalle. “Thomas Müller ist eine besondere Personalie. Es ist nicht irgendein Spieler, sondern ein großer Spieler des FC Bayern”, sagte Eberl. Vorwürfe, es fehle an Dankbarkeit seitens des FC Bayern gegenüber dem Ur-Bayern Müller, wies er zurück. “Dankbarkeit ist immer da”, sagte er. “Thomas ist eine ganz spezielle Situation. Ich habe schon einige Spieler gehabt, die eine große Ära geprägt haben, wo man irgendwann gemeinschaftlich sagen muss, okay, vielleicht ist es irgendwann vorbei. Aber das tun wir dann, wenn es so weit ist.”
Allerdings war es Eberl selbst, der noch am 10. Januar an gleicher Stelle bei der Pressekonferenz in der Causa Müller verbal sehr weit nach vorne geprescht war. Damals hatte Eberl die mögliche Vertragsverlängerung mit Müller noch zur reinen Formsache erklärt und sagte: “Thomas braucht ja nicht groß zu verhandeln. Wenn er sagt, er hat Lust weiterzumachen, dann werden wir uns in die Augen schauen, dann schauen wir uns den Kader an, und dann wird es weitergehen. Das wird wahrscheinlich das kürzeste Gespräch. Wir haben mit ihm schon gesprochen.”
Wenn man diese Aussagen liest, kann man verstehen, warum Müller über die plötzliche Kehrtwende der Bayern dem Vernehmen nach sehr verwundert ist – und konkret darüber, dass ihm bislang gar kein neues Vertragsangebot gemacht wurde. Bleibt es dabei, wäre das schließlich ein Wortbruch von Eberl, der damit quasi als Lügner dastehen würde.
Als dritte Nachfrage zum Fall Müller mit seinen eigenen Worten konfrontiert, reagierte Eberl zunehmend genervt. Er dreht sich mit fast schon Hilfe suchendem Blick zu Pressesprecher Nickles rüber und sagte dann: “Wie viele Fragen muss ich noch dazu beantworten? Wir können noch dreimal fragen, durch die Hintertür.”