“Nicht traditionelle Beziehungen”
Kreml schießt gegen Elton John – weil der gegen Aids kämpft
03.04.2025 – 20:19 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Elton John Aids Foundation setzt sich weltweit gegen HIV und Aids ein. In Russland ist das gar nicht gern gesehen. Jetzt geht der Kreml gegen die Stiftung vor.
Russland hat die Aids-Stiftung des britischen Musikers Elton John zur unerwünschten Organisation erklärt. Die Organisation verhalte sich negativ gegenüber einer Politik, die “traditionelle geistig-moralische Werte verteidigt”, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau mit. Die Einstufung als unerwünschte Organisation kommt in Russland einem Verbot gleich.
Ziel der Stiftung sei zwar die Unterstützung von Vereinigungen zur Aids-Prävention und -Bekämpfung, hieß es in der Begründung der Generalstaatsanwaltschaft. “Aber in größerem Maß sind sie konzentriert auf die Propaganda nicht traditioneller sexueller Beziehungen, westlicher Familienmodelle und Geschlechtsumwandlungen.”
Seit dem Beginn der militärischen Spezialoperation – wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine in Russland offiziell genannt wird – beteilige sich die Stiftung an einer Kampagne des Westens zur Verunglimpfung Russlands, hieß es weiter.
Die Elton John Aids Foundation widmet sich seit Jahrzehnten dem Kampf gegen HIV und Aids weltweit. Sie unterstützt nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren auch Partner in der Ukraine. Seit Beginn des Angriffskriegs 2022 habe sie mehr als vier Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Jedes Jahr veranstaltet Elton John etwa im Rahmen der Oscarverleihung ein mit viel Prominenz bestücktes Wohltätigkeitsevent, um Geld einzusammeln. Auch deutsche Stars wie Veronica Ferres, Heidi Klum oder Tom Kaulitz waren dort zuletzt zu Gast.
In Russland leben derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen mit HIV, sagte der russische Epidemiologe Wadim Pokrowski im Dezember der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Zum Vergleich: Das Robert Koch-Institut schätzte die Zahl in Deutschland zuletzt auf 96.700 Menschen. Kriminalisierung und Diskriminierung gefährdeter Gruppen machen Prävention und den Kampf gegen Aids in Russland schwer.
Das UN-Programm für HIV und Aids berichtete im vergangenen Jahr von einer besorgniserregenden Entwicklung der HIV-Zahlen in Osteuropa und Zentralasien. Während die Neuinfektionen weltweit seit 2010 zurückgingen, seien sie hauptsächlich in Osteuropa und Zentralasien gestiegen. Russland sei von Neuinfektionen besonders betroffen.