Mit der Freiheit haben wir Deutsche ja so unsere Probleme. Vor die Wahl gestellt, ist uns die Gleichheit wichtiger, das zeigen sowohl Umfragen als auch die Sitzverteilungen in den Parlamenten. Gerade erst haben wir die einzige Partei, die sich frei nennt und so frei war, uns vom Joch der von allen gehassten Ampelkoalition zu befreien, hochkant aus dem Bundestag geworfen.
Die Älteren unter uns erinnern sich sicher auch noch an den Proteststurm, der ausbrach, als Richard von Weizsäcker den 8. Mai 1945 einen Tag der Befreiung nannte. Da loben wir uns die Amis, die frei von allen Bedenken jubeln können, wenn ihr Präsident einen „Liberation Day“ proklamiert und völlig freihändig den Freihandel abschafft, um seine Bürger endlich aus den Klauen der zahllosen Schurkenstaaten zu befreien, die sogar noch in seiner ersten Amtszeit das Land der Freien und die Heimat der Tapferen „ausgeplündert, gebrandschatzt und vergewaltigt“ hatten. Jedem einzelnen Mitglied dieser langen Achse des Bösen zahlt Trump es nun heim, frei nach dem alttestamentarischen Gesetz „Auge um Auge, Zoll um Zoll“.
Selbst Shithole-Countries und Pinguine müssen nun blechen
Kein noch so kleines Shithole-Country, das sich an den wehrlosen Vereinigten Staaten von Amerika vergriffen hatte, wird dabei vergessen, kein Eiland übersehen. Selbst die Pinguine auf den Heard- und McDonald-inseln, die wohl gedacht hatten, der Name ihres Archipels schütze sie vor dem heiligen Zorn des Namensvetters, müssen nun blechen, wenn sie weiter ihren Guano nach Amerika exportieren wollen. Sie sollten vielleicht auf Hamburger umstellen.
Aber auch für uns deutsche Schmarotzer wirft Trumps Rundumschlag mit dem Zollstock natürlich Fragen auf. Uns interessiert vor allem folgende: Wird von nun an auch Alice Weidel den 2. April als Tag der Befreiung feiern? Wird sie weiter Trump und Musk, dessen Stern schon sinkt, so bejubeln wie bisher? Sie hatte ja sogar den Schlachtruf Trumps übernommen und gerufen „Make Germany great again!“ Wie aber soll die Bundesrepublik wieder zu einem Großdeutschland werden, wenn Trump uns jetzt das Exportgeschäft versaut? Verglichen mit Trumps Hass auf Deutschland war der Morgenthau-Plan ja geradezu eine Liebeserklärung.
Weidel und Musk: Hart an der Grenze zum Telefonsex
Apropos Amor: Ein bisschen sind wir schon enttäuscht, dass Weidels transatlantisches Techtelmechtel mit Musk, obschon hart an der Grenze zum Telefonsex, uns nicht die geringste Verschonung bei den Strafzöllen einbrachte. Da war Putin viel erfolgreicher. Auf Trumps Liste der Rache fanden sich Trinidad und Tobago, die Elfenbeinküste und Liechtenstein, aber weit und breit kein Russland.
Tja, Putin hatte eben für seinen Bruder im Geiste gebetet, als er von dem feigen Attentat auf denselben hörte, und ein Porträt von ihm malen lassen, das wir uns im Stil einer Ikone vorstellen, auf jeden Fall aber mit viel Blattgold. Das zahlt sich nun aus.
Die Briten müssen zwar blechen, aber nur halb so viel wie wir, angeblich weil die First Lady den Gatten unter Druck gesetzt hat, dass er bloß nicht den Besuch im Buckingham-Palast gefährden soll. Mit dem könnte Schloss Bellevue leider nicht mithalten. Aber doch Neuschwanstein!
Söder könnte den Märchenkönig geben
Aber selbst wenn Trump hart bliebe und mit seinen Strafzöllen unsere Wirtschaft in Schutt und Asche legte wie die amerikanischen Bomber unsere Städte zur Befreiung von den Nazis, müssten wir noch nicht alle Hoffnung fahren lassen. Selbst in der DDR hieß es ja, „Auferstanden aus Ruinen . . . steigt ein frei Geschlecht hervor.“ Hätten wir bei der Wiedervereinigung bloß auch den Freiheitsgeist und den Optimismus der Ossis übernommen! Das Sandmännchen, das Ampelmännchen und das Gysimännchen waren in der Tat zu wenig.