Reaktion auf Trumps Zölle: China schwingt das Kantholz

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Als Donald Trump für ein Wochenende in Florida ins Flugzeug stieg, gab er sich trotz der vorangegangenen Kursverluste an der Wall Street aufgeräumt. „Ich denke, es läuft sehr gut“, sagte er. Viele andere Länder würden Amerika nach seinen Zollankündigungen entgegenkommen; im Besonderen erwähnte er die Möglichkeit einer Vereinbarung mit den Chinesen.

Die reagierten wenige Stunden später auf ihre Weise und kündigten Zölle über 34 Prozent auf amerikanische Waren an sowie Kontrollen für den Export seltener Erden. Nach Trumps groteskem „Befreiungstag“, dieser „wilden zerstörerischen Dummheit“ („Financial Times“), muss es nicht zu einem regelrechten Handelskrieg kommen, unter dem besonders die exportorientierte deutsche Wirtschaft leiden würde. Aber ausschließen lässt sich eine ernste Konfrontation nicht mehr.

Nach der vorübergehenden Einstellung amerikanischer Waffenlieferungen an die Ukraine hatte ein Vertreter der amerikanischen Administration gesagt, die Ukrainer hätten eine Behandlung erfahren wie ein störrisches Maultier, dem man ein Kantholz über die Nase ziehe. Jetzt schwingt Peking das Kantholz – gegen die Amerikaner.

EU sollte auf sichtbare Eskalation verzichten

Je nach Machtposition und Interessenlage existieren zwei Möglichkeiten, auf das amerikanische Zollpaket zu reagieren. Die der Europäischen Union gut anstehende Option bleibt der Verzicht auf eine sichtbare Eskalation jenseits ein paar eher symbolischer Strafzölle, verbunden mit dem Versuch, eine einvernehmliche Lösung mit Washington zu finden. Wer Amerika trotz Trump immer noch als Partner versteht und die Amerikaner zudem in der Sicherheitspolitik weiterhin brauchen wird, sollte kein Kantholz schwingen.

Die andere denkbare Möglichkeit ist das „Wie-du-mir-so-ich-dir“ – eine durchaus erprobte Strategie, die sich gegenüber Washington aber nur eine andere wirtschaftliche, politische und militärische Weltmacht wie China erlauben kann. Ein Duell zwischen Washington und Peking macht die Europäer zu Zuschauern. Das ist keine angenehme Situation für eine große Wirtschaftsmacht, die aber keine beeindruckende politische oder militärische Macht darstellt.