Weltmeister beendet Karriere – ein Kommentar

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Mats Hummels verlässt die Bühne. Im Sommer macht der Weltmeister Schluss mit Fußball – ein Großer geht.

Wissen Sie noch, wo Sie am 4. Juli 2014 gewesen sind? Was Sie gemacht haben? Lange her, wenn man überlegt, wie schnell sich die Welt momentan dreht. Wenn man sich tagtäglich mit Fußball und Sport beschäftigen darf, dann bleiben solche Daten eher in Erinnerung.

Am 4. Juli vor nun fast schon elf Jahren spielte Deutschland im WM-Viertelfinale in Brasilien gegen Frankreich. Es war die zwölfte Minute: Toni Kroos schlägt eine Flanke in den Strafraum, Mats Hummels steigt hoch – und köpft den Ball am französischen Torwart Hugo Lloris vorbei ins Tor. Der Siegtreffer und ein Meilenstein auf dem Weg zum späteren Weltmeister-Titel. Ein Tor und ein Turnier, welches Hummels unsterblich machte. Nun hat der Innenverteidiger sein Karriereende im Sommer bekannt gegeben.

Ein Großer geht von der Bühne, der vor allem für seine leidenschaftlichen Grätschen bekannt wurde. Die weltweit besten Spieler wurden wild vor Wut, weil auf einmal Hummels angesprungen kam und sie so fair aus dem Spiel nahm. Aber auch sein Außenrist, sein unbedingter Siegeswille und seine wuchtigen Kopfbälle zeichneten Mats Hummels aus. Allerdings war er auch vom Ehrgeiz zerfressen. Hummels wollte immer alles und nahm sich viel zu Herzen. Damit eckte er auch an – bei Mitspielern und Trainern.

In dieser Saison schied er mit der AS Rom im Achtelfinale der Europa League gegen Athletic Bilbao aus dem Wettbewerb aus, weil er patzte. Seine Grätsche im ersten Spieldrittel nannte er “dumm” und “entsetzlich” – sie führte zu einer Roten Karte. Er selbst machte sich die größten Vorwürfe. Überhaupt sein letztes Jahr in Rom, eine eher unglückliche Randnotiz in einer von so vielen Erfolgen und Titeln geprägten Karriere.

Im vorigen Sommer wurde viel diskutiert, als Hummels’ Vertrag beim BVB auslief. Dortmund muss verlängern, schrien die einen. Schließlich hatte er den Klub mit seiner Erfahrung mit ins Champions-League-Finale gebracht. Zu alt, zu langsam, sagten die anderen. Er konzentrierte sich auf seine anderen Stärken und lieferte. Und auch, wenn er sich die Chance durch ein kritisches Interview gegen Trainer Edin Terzić am Ende selbst verbaute, wäre der BVB wohl froh, wenn sie noch einmal um ein Jahr verlängert hätten.

“Mats war für mich der stille Held der WM 2014. Über andere Spieler ist mehr berichtet worden, aber ich weiß nicht, ob wir ohne seine Leistungen – besonders im Finale – wirklich Weltmeister geworden wären”, sagte Weltmeister-Trainer Jogi Löw nach der Bekanntgabe von Hummels.

Und so fielen viele Erinnerungen von Weggefährten aus. Man kann sagen: Hummels hat sich in viele Herzen gegrätscht – und seine Widersacher zuweilen umgegrätscht.