Mpox könnte zu ernster Bedrohung werden

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Immer neue Epidemien drohen

Experten-Warnung: Mpox könnte zu ernster Bedrohung werden

Aktualisiert am 05.04.2025 – 04:00 UhrLesedauer: 4 Min.

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Ein besorgniserregendes Risiko sehen die beiden Experten für Übertragungen zwischen Kindern. (Archivbild) (Quelle: Moses Sawasawa/AP/dpa/dpa-bilder)

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Ist doch weit weg, dieses Mpox. Oder? Das Virus nicht als globale Gemeinschaft engagiert zu bekämpfen, könnte sich schwer rächen, warnen Experten.

Ein zu leichtfertiger Umgang mit dem Virus könnte Mpox zu einer ernsten globalen Gesundheitsbedrohung werden lassen, warnt ein britisches Forscherduo im Fachmagazin “Nature Medicine”. Zwar sei keine eindeutige Vorhersage zu Entwicklung und Auswirkungen möglich, es gebe jedoch klare Hinweise auf ein hohes Epidemie- oder sogar Pandemierisiko.

Dazu zählten die Fähigkeit des Virus, von Mensch zu Mensch übertragen zu werden, die vier unabhängig voneinander anhaltenden Ausbrüche verschiedener Viruskladen und die außerordentlich hohe Rate von Übergängen der Klade Ia vom Tier zum Menschen.

Die aktuell kursierenden Mpox-Varianten werden überwiegend durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch übertragen, vor allem beim Sex. Das Infektionsgeschehen konzentriert sich derzeit auf bestimmte afrikanische Länder. Erst kürzlich meldete aber zum Beispiel das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin, dass sich in der Hauptstadt seit Jahresbeginn mehr als viermal so viele Menschen nachweislich mit Mpox infiziert haben wie in den zwei Jahren zuvor.

Bis zum 23. März wurden demnach 43 Fälle gemeldet. Betroffen seien ausschließlich Männer, im Durchschnitt 34 Jahre alt. Und für die kommenden Monate ist nicht mit Entspannung zu rechnen: “In den vergangenen Jahren haben internationale Großveranstaltungen und Festivals für Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben, im Frühjahr und Frühsommer zu längeren Übertragungsketten beigetragen”, hieß es vom Lageso.

Intime Kontakte seien anders als in den Jahrzehnten davor inzwischen eine wichtige Verbreitungsart des Virus, erklärte Carlos Maluquer de Motes von der University of Surrey in Guildford. “Dieser Wandel in der Art der Übertragung führt zu längeren Übertragungsketten und anhaltenden Ausbrüchen.”

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Überlässt die Welt die Zukunft von Mpox der Natur und dem Zufall? (Archivbild) (Quelle: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa/dpa-bilder)

Deutschlandweit wurden in diesem Jahr bislang 154 Fälle an das RKI übermittelt (Stand 3.4.2025). Experten gehen unter anderem wegen des mit der Erkrankung verbundenen Stigmas von einer hohen Zahl nicht erfasster Fälle aus. Todesfälle gab es hierzulande noch nicht. Das Virus verursacht einen typischen Hautausschlag, aber auch Fieber und Muskelschmerzen. Vor allem bei Kindern und immungeschwächten Menschen kann es zu schweren Verläufen kommen.

Die Bekämpfung von Mpox müsse auf der globalen Gesundheitsagenda nach oben rücken, ist Maluquer de Motes überzeugt. Bisher seien nur begrenzte Diagnoseinstrumente und noch weniger antivirale Behandlungen verfügbar. “Wir brauchen dringend eine bessere Überwachung und lokale oder regionale Kapazitäten, um das zu produzieren, was wir brauchen – sonst riskieren wir künftige Epidemien.”

Das Virus scheine spezifische genetische Mutationen zu entwickeln, die durch Enzyme im menschlichen Körper ausgelöst werden und die viralen Eigenschaften verändern, erläutert der Virusforscher zusammen mit David Ulaeto vom CBR Division, Defence Science and Technology Laboratory in Salisbury in “Nature Medicine”. “Je länger diese Viren unter uns zirkulieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mutationen dazu beitragen, dass sich Mpox an den Menschen anpasst.”

Das Mpox verursachende Virus ist in West- und Zentralafrika heimisch und gehört der gleichen Virusfamilie an wie jenes, das früher die Pocken auslöste. Die Pocken zählten lange zu den gefährlichsten Krankheiten überhaupt für den Menschen, an der Infektion starb ein großer Teil der Betroffenen. Impfkampagnen brachten die Rettung, seit 1980 gilt die Welt als pockenfrei. Diese Impfstoffe schützten auch vor Mpox.

Seit sie nicht mehr benötigt wurden, sank in der Bevölkerung weltweit auch der Schutz vor Mpox, früher Affenpocken genannt. In den vergangenen Jahrzehnten kam es vermehrt zu Übertragungen durch infizierte Tiere wie Nagetiere und Affen – und in der Folge auch zu Übertragungen von Mensch zu Mensch. 2003 wurde der Erreger erstmals außerhalb Afrikas nachgewiesen. 2022 kam es dann zum ersten globalen Ausbruch der Krankheit mit Schwerpunkt in Europa und Nordamerika.

Aktuell gibt es in Afrika Ausbrüche mit vier Varianten des Erregers, Klade 1a, 1b, 2a und 2b genannt. Die gemeinsame Verbreitung der Kladen Ia und Ib in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) bedeute direkte Konkurrenz zwischen den Varianten und sei ein potenzieller Motor für Evolution und Anpassung, geben die beiden Experten zu bedenken. Sie sehen die Gefahr, dass ein Virustyp insbesondere der Klade I einen erneuten, aber umfassenderen globalen Ausbruch verursachen könnte.