Thomas Müller hat Klarheit geschaffen und sein Aus beim FC Bayern bestätigt. Der 35-Jährige wird jetzt trotzdem wieder wichtig und ist auf einer letzten großen Mission.
Aus Augsburg berichtet Julian Buhl
Am Samstagabend trotzte Thomas Müller den Berichten um sein beschlossenes Aus beim FC Bayern noch. Demonstrativ gut gelaunt und grinsend schlenderte er nach dem 3:1-Sieg mit dem Rekordmeister in Augsburg durch die Katakomben der Arena. Dabei blickte er zu den in der Mixed Zone wartenden Reportern rüber und sagte. “Fragen? Einige! Ihr wisst doch schon immer alles ohne zu fragen!” Mit einem Augenzwinkern fügte er noch hinzu: “Das war ein wichtiger Sieg, und ansonsten bleiben wir schön locker.” Mehr sagte er nicht und verschwand damit Richtung Mannschaftsbus in die Nacht.
Am Morgen danach schuf Müller dann aber doch Tatsachen. In einem emotionalen und an die Fans gerichteten Brief, den er über seine Kanäle in den sozialen Netzwerken verbreitete (mehr dazu lesen Sie hier), bestätigte er das, was sich in den vergangenen Tagen bereits immer mehr abgezeichnet hatte: Der 35 Jahre alte Weltmeister von 2014, der 2000 in die Jugendteams des Rekordmeisters wechselte, wird nach 17 Profijahren in München keinen neuen Vertrag mehr bei den Bayern erhalten.
Nachdem zuletzt viel seine Person spekuliert worden sei, “möchte ich mit diesem Brief an euch die Gelegenheit nutzen, für Klarheit zu sorgen”, schrieb er: “Auch nach all den Jahren habe ich, ungeachtet meiner Spielminuten, immer noch sehr viel Spaß, mit den Jungs zusammen auf dem Platz zu stehen und gemeinsam für unsere Farben um Titel zu kämpfen. Diese Rolle hätte ich mir auch im nächsten Jahr gut vorstellen können.” Aber, so Müller weiter: “Der Verein hat sich jedoch bewusst dafür entschieden, mit mir keinen neuen Vertrag für die nächste Saison zu verhandeln.”
Müller betonte, dass “dies nicht meinen persönlichen Wünschen entsprach”. Genauso, dass ihm “das Hin und Her in der Öffentlichkeit während der vergangenen Wochen und Monate verständlicherweise nicht gefallen” habe. Ähnlich wie in seinem Fußballspiel gelte es aber nach einem, “den Ball mit mannschaftlicher Geschlossenheit zurückzuerobern. Das haben wir in den vergangenen Tagen in vertrauensvollen Gesprächen auch in dieser Sache geschafft.”
Müller richtete damit den Blick bewusst nach vorne. In den kommenden Saisonwochen wird er schließlich ab sofort wieder eine absolute Schlüsselrolle einnehmen. Weil sich Jamal Musiala in Augsburg nach seinem wichtigen Ausgleichstreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 am linken Oberschenkel verletzte und deshalb ausgewechselt werden musste, rückt Müller nun zwangsläufig wieder deutlich mehr in den Fokus.
Der Routinier, der zuletzt nur noch eine Nebenrolle bei Cheftrainer Vincent Kompany spielte, wird deshalb nämlich plötzlich doch wieder wichtig. Mehr noch: Als Ersatzmann für seinen knapp 13 Jahre jüngeren Teamkollegen wird er sogar dringend gebraucht.
Schon in Augsburg wurde Müller für den von zwei Betreuern gestützten und vom Feld geführten Musiala in der 54. Spielminute eingewechselt. Der verließ das Stadion zwar ohne Krücken, zog sein linkes Bein dabei allerdings auffällig hinter sich her. Einen Einsatz im so wichtigen Viertelfinalhinspiel am Dienstag (21 Uhr im Liveticker bei t-online) gegen Inter Mailand schloss Sportvorstand Max Eberl sofort aus. Bei Musiala ist schließlich ein Muskelbündelriss und damit sogar eine wochenlange Zwangspause zu befürchten (mehr dazu lesen Sie hier).