Deutsche Forscher berichten
Neuer Risikofaktor für Herzkrankheiten gefunden
27.02.2025 – 09:14 UhrLesedauer: 2 Min.

Männer verlieren mit dem Alter nicht nur Haare oder Muskelmasse – sondern auch Teile ihres Erbguts. Dies könnte ein ernstzunehmender Risikofaktor sein.
Mit zunehmendem Alter kann es bei Männern zu einem schleichenden genetischen Verlust kommen: dem sogenannten mosaikartigen Verlust des Y-Chromosoms (in der Fachsprache auch “loss of Y chromosome” – kurz LOY genannt). Dabei geht das männliche Geschlechtschromosom nicht in allen, sondern nur in einem Teil der Blutzellen verloren. Besonders betroffen sind Männer ab 60 Jahren. Dieser Prozess bleibt oft lange unbemerkt, kann jedoch die Zellfunktionen beeinflussen und das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöhen.
Ein Forschungsteam um Andreas Zeiher von der Goethe-Universität Frankfurt hat diesen Zusammenhang nun genauer untersucht. Die Wissenschaftler analysierten Blutproben von fast 1.700 Männern aus der Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health (Luric)-Studie.
Die Ergebnisse waren alarmierend: Männer mit einem ausgeprägten Verlust des Y-Chromosoms hatten ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders brisant: Die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt zu sterben, war um 50 Prozent erhöht.
Die Forscher fanden heraus, dass der Verlust des Y-Chromosoms Entzündungsprozesse im Körper ankurbelt. Blutzellen ohne dieses Chromosom setzen vermehrt Botenstoffe frei, die Entzündungen fördern und das Herzgewebe vernarben lassen. In Laborversuchen zeigte sich zudem, dass diese Prozesse die Funktion bestimmter Immunzellen beeinträchtigen. Dadurch kann es zu einer Verschlechterung der Herzgesundheit kommen.
“Unsere Ergebnisse zeigen, dass genetische Veränderungen im Alter einen größeren Einfluss auf die Herzgesundheit haben könnten, als wir bisher dachten”, erklärte Zeiher.
Die neuen Erkenntnisse könnten langfristig helfen, Männer mit einem besonders hohen Risiko frühzeitig zu identifizieren. Den Forschern zufolge ließe sich dafür ein einfacher Bluttest nutzen. “Wenn wir wissen, wer besonders gefährdet ist, können wir gezielte Maßnahmen ergreifen”, so Zeiher. Dazu gehören regelmäßige Untersuchungen sowie präventive Maßnahmen wie eine herzgesunde Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls medikamentöse Therapien.
Bisher wurde der Verlust des Y-Chromosoms eher als harmloser Nebeneffekt des Alterns betrachtet. Die neuen Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass er ein ernstzunehmender Risikofaktor sein könnte – vor allem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.