Apple will 500 Milliarden Dollar in amerikanische Standorte investieren

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Der iPhone-Konzern kündigt neue Fabriken und Stellen an – doch bei genauerem Hinsehen handelt es sich vor allem um ohnehin Geplantes. Offenbar versucht sich der CEO Tim Cook bei Präsident Trump gutzustellen, um einen Handelskrieg mit China zu vermeiden.

Apple will künftig mehr Aufträge an amerikanische Lieferanten erteilen.

Apple will künftig mehr Aufträge an amerikanische Lieferanten erteilen.

Lucas Jackson / Reuters

Die «America First»-Maxime von Präsident Donald Trump färbt auf Amerikas Technologiesektor ab – oder besser gesagt, auf die Kommunikationsstrategie der Tech-Konzerne: Am Montag hat Apple angekündigt, in den kommenden vier Jahren eine halbe Billion Dollar in den USA investieren zu wollen. Zudem werde man 20 000 neue Stellen im Land schaffen. «Wir sind optimistisch zur Zukunft der amerikanischen Innovationskraft und stolz darauf, auf unsere bestehenden Investitionen in den USA weiter aufzubauen», teilte der CEO Tim Cook in einer Stellungnahme mit. Es handele sich um die grösste Ausgabenankündigung, die der fast 50-jährige Konzern je getan habe. Man wolle so vor allem die Bereiche Forschung und Entwicklung, Softwareentwicklung sowie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen stärken.

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Fabrik in Arizona war bereits seit Jahren geplant

Die Ankündigung liest sich wie ein Liebesbrief an Trump: Detailliert ist dort aufgeführt, in welchen Gliedstaaten Apple Fabriken ausbauen und Zulieferbetriebe unterstützen will.

Tatsächlich hatte Apple einen Teil der nun angekündigten Investitionen bereits unter Bidens Präsidentschaft angeleiert. So rühmt der Konzern nun etwa seine neue Chipproduktion in Arizona. Dort hat TSMC – der Weltmarktführer für Hochleistungschips – gerade die Massenproduktion für Chips gestartet, die Apple bis dato aus Taiwan importiert hat. Doch die Fertigung dort war bereits vor Jahren aufgegleist worden, weil Apple seit langem versucht, seine geopolitische Abhängigkeit von TSMCs Fabriken in Taiwan zu reduzieren.

Darüber hinaus will Apple auch eine neue Fertigung aus dem Boden stampfen: In Houston im Gliedstaat Texas baue man gemeinsam mit Foxconn eine 23 000 Quadratmeter grosse Fabrik, die kommendes Jahr ihre Tore öffnen soll. Dort will Apple die Server bauen, die es für seine generative KI namens Apple Intelligence benötigt und die «zuvor ausserhalb der USA gefertigt wurden», wie es heisst. Ausserdem werde man die bestehenden Datenzentren in North Carolina, Iowa, Oregon, Arizona und Nevada ausbauen.

Auch werde Apple die Ausgaben für seinen gegründeten «US Advanced Manufacturing Fund» verdoppeln – der Fonds investiert unter anderem in die Ausbildung von Fachkräften. Doch auch diesen gibt es bereits seit 2017.

In Michigan will Apple zudem ein neues Ausbildungszentrum aufbauen, das kleinen und mittelständischen Betrieben bei der Umrüstung auf künstliche Intelligenz hilft. Damit reagiert Apple auf den viel beklagten Mangel an Fachkräften, die etwa in anspruchsvollen Fabriken für Hochleistungschips wie in Arizona händeringend gesucht werden. Die USA haben praktisch kein duales Bildungssystem mit Lehrberufen, wie es in Europa verbreitet ist. TSMC fliegt deswegen Tausende Facharbeiter aus Taiwan ein, die in den neuen Fabriken in Arizona die hochempfindlichen Maschinen warten und reinigen.

Produktionen für Apple TV+ miteinberechnet

Wie viel der angekündigten 500 Milliarden Dollar nun tatsächlich in neue Projekte fliesst und wie viel ohnehin bereits budgetiert war, geht aus der Ankündigung von Apple nicht hervor. Doch in der stolzen Summe sind beispielsweise auch Kosten für Filmproduktionen «in 20 Gliedstaaten» für den Streaming-Dienst Apple TV + enthalten und Ausgaben für Zulieferer, mit denen Apple arbeitet.

Auch die Ankündigung, dass man 20 000 Stellen in den USA schaffen wolle, ist bei genauerem Hinsehen wenig überraschend: Mit Stand Ende September beschäftigt Apple weltweit rund 164 000 Angestellte. In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Belegschaft jährlich um durchschnittlich 5400 Mitarbeiter, wie das «Wall Street Journal» analysiert hat – ein Plus von 20 000 Stellen in den nächsten vier Jahren wäre somit lediglich eine Fortsetzung des üblichen Geschäftsgangs.

Auch die 2,9 Millionen amerikanische Arbeitsplätze, die Apple ermögliche, sind mit etwas Vorsicht zu geniessen: Darin hat man grosszügig das gesamte Ökosystem an App-Entwicklern einberechnet. Tatsächlich stellen die ihre Apps aber meist nicht nur für Apple, sondern auch für den Konkurrenten Android her.

Apple drohen Einfuhrzölle für Bauteile aus Chine

Apple hält sich normalerweise mit vollmundigen Ankündigungen zurück; der Konzern ist für seine diskrete Geschäftstätigkeit bekannt. So gesehen signalisieren die Ankündigungen auch, wie sehr sich Cook um ein gutes Verhältnis mit der neuen amerikanischen Regierung bemüht. Aus Apples Sicht ergibt das absolut Sinn: Der Konzern muss befürchten, dass die Regierung Trump den Handelskrieg mit China durch immer neue Zölle und Importverbote eskalieren wird – und das könnte Apples Geschäftsgang enorm beeinträchtigen. Dem Konzern drohen hohe Einfuhrzölle und Aufschläge in Höhe von bis zu zehn Prozent.

Apple ist nach wie vor enorm abhängig von China: 95 Prozent der iPhones werden zurzeit dort gefertigt, und das Smartphone alleine verantwortet mehr als 50 Prozent des gesamten Konzernumsatzes von zuletzt 390 Milliarden Dollar. China ist zudem ein wichtiger Absatzmarkt für Apples Produkte. Ein Handelskrieg könnte letztlich auch dazu führen, dass Apple den Marktzugang verliert. Cook versucht diese Exposition schon länger zu reduzieren: Er war vor seiner Beförderung zum CEO Experte für Lieferketten und ist sich der potenziellen Gefahren durch Handelshemmnisse für globale Lieferketten sehr bewusst.

Die Strategie, sich mit den «America First»-Ankündigungen das Wohlwollen der Regierung zu verdienen, war schon einmal aufgegangen: Während Trumps erster Amtszeit war der Konzern dank einer Ausnahmegenehmigung von Zusatzabgaben verschont geblieben. Damals hatte Apple Investitionen in Höhe von 350 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren in Aussicht gestellt.

Auch diesmal scheint die Strategie zu fruchten: Vergangene Woche prahlte Trump vor Journalisten damit, dass Cook nun «Hunderte Milliarden von Dollar» in den USA investieren wolle. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er am Montag, der Anlass für Apples «rekordverdächtige Investition» sei ganz klar: nämlich «der Glaube an das, was wir (in der Regierung) tun wollen. Ohne den hätten sie keine zehn Cents investiert.» Tim Cook dürfte fürs Erste aufatmen.