Gehirn wurde durch Vulkan-Ausbruch zu Glas

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In dem Schädel eines jungen Mannes, der beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus starb, haben Forscher eine höchst kuriose Entdeckung gemacht: Glas.

Als der östlich der Stadt Neapel gelegene Vulkan im Herbst des Jahres 79 ausbrach, begrub er unter anderem die Städte Pompeji und Herculaneum unter Asche und Gestein. Tausende Menschen starben. In Pompeji wurden etliche Opfer von der Asche eingeschlossen, sodass sich nach dem Zerfall des Gewebes Hohlräume bildeten, die nach ihrer Entdeckung in vielen Fällen mit Gips ausgegossen werden konnten. Nach der Entfernung der Aschematrix ergaben sich so dreidimensionale Abbilder der Körper der Vulkanopfer um den Zeitpunkt ihres Todes.

Von der Ausgrabungsstätte Herculaneum sieht man den Vesuv.
Von der Ausgrabungsstätte Herculaneum sieht man den Vesuv.Reuters

In vielen Fällen waren die Menschen schon tot, bevor das Vulkanmaterial sie begrub. Der etwa zwanzig Jahre alten Mann, der in einem Bett in Herculaneum gefunden wurde, muss durch eine ungefähr 510 Grad heiße Gaswolke getötet worden sein, welche die Stadt vor der mit Asche beladenen Hauptwelle traf, schätzen die Forscher um Guido Giordano von der Università Roma Tre. 

Diese Gase waren um 45 Grad heißer als die sogenannten pyroklastischen Ströme aus Gas und Asche, die Herculaneum anschließend unter sich begruben. Zuvor muss sich die Luft in Herculaneum vorrübergehend wieder abgekühlt haben – und zwar extrem rasch. Nur so konnten Teile des Gehirns und Rückenmarks des Mannes verglasen.

In der Natur bildet sich Glas vergleichsweise selten. Dafür muss eine Flüssigkeit oder eine viskose Substanz nach einem starken Temperaturanstieg rasch abgekühlt werden. Geschieht das zu langsam, bilden sich Kristalle.

Der junge Mann, zu dem das verglaste Gehirn gehört, lag im Collegium Augustalium in einem Bett, als der Vesuv ausbrach.
Der junge Mann, zu dem das verglaste Gehirn gehört, lag im Collegium Augustalium in einem Bett, als der Vesuv ausbrach.Reuters

Die Wissenschaftler um Guido Giordano haben das Material mit verschiedensten Methoden untersucht. Die Analyse ergab, dass es hauptsächlich aus Kohlenstoff und Sauerstoff besteht, was ebenfalls auf einen organischen Ursprung hinweist. Durch Elektronenmikroskopie konnten unter anderem sogar Strukturen wie Axone, also Teile von Nervenzellen, dargestellt werden.

Dies ist der weltweit einzige Fund dieser Art. Auch bei anderen Opfern der Vesuv-Katastrophe hat man nichts Vergleichbares gefunden.