Trumps Zölle schocken Asien

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Nachdem US-Präsident Donald Trump hohe Zölle auf alle Einfuhren in die Vereinigten Staaten bekanntgegeben hat, sitzt der Schock in Asien tief. Die Börsen in den meisten Ländern in Asien und Ozeanien gaben deutlich nach. Das Handelsministerium in Peking kündigte an, China werde entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine Rechte und Interessen zu schützen. Auch das japanische Handelsministerium sprach von Gegenmaßnahmen. In anderen Partnerländern der USA wie Indien und Australien gab es ebenfalls Kritik, dort hielt man sich mit der Androhung von Gegenmaßnahmen aber vorerst zurück. Es handelt sich um die bedeutendste Zollerhöhung seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie ist viel weitreichender als die Zölle in Trumps erster Amtszeit.

Trump erhebt der Ankündigung zufolge weitere 34 Prozent auf Waren aus China, schon zuvor hatte er die Zölle um 20 Prozent erhöht. Der Zusatzzoll für Waren aus Indien beträgt 26 Prozent, japanische Güter werden mit 24 Prozent belegt, südkoreanische mit 25 Prozent. Seit dem Antritt seiner zweiten Amtszeit summieren sich die neuen Importzölle auf Waren aus China, die zu den schon zuvor bestehenden hinzugerechnet werden, auf 54 Prozent. Fachleute beziffern die neue effektive Zollrate auf chinesische Einfuhren auf mehr als 65 Prozent. Im Wahlkampf hatte Trump Zölle von 60 Prozent auf Waren aus China angekündigt.

Die neuen Importzölle sollen zum 9. April in Kraft treten. Von Anfang Mai an sollen auch die Ausnahmen für Kleinstimporte mit einem Warenwert von unter 800 Dollar, von denen vor allem Billighändler wie Temu und Shein profitiert hatten, aufgehoben werden. In der Vergangenheit hatte China unmittelbar mit Inkrafttreten der Zölle seine Gegenmaßnahmen bekanntgegeben.

Yuan wertet erneut ab

In einem ersten Schritt stützte die chinesische Notenbank den Yuan, legte den Referenzwechselkurs mit 7,1889 Yuan je Dollar aber niedriger an als von Analysten und Händlern in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg erwartet. Der Yuan lag zuletzt auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Februar. Eine schwache Währung hilft den chinesischen Exporteuren, weil ihre Güter im Ausland günstiger sind. Trump hat der Volksrepublik in der Vergangenheit auch schon Währungsmanipulation vorgeworfen. Gegenüber anderen Währungen wertete der Dollar aber deutlich ab.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua verbreitete auf ihrem X-Konto einige Karikaturen. In Richtung Kanada, Europa und Japan hieß es etwa: „Beschwichtigung funktioniert nicht bei einem gierigen Tier. Egal, wie viel man opfert, um es zu füttern, irgendwann wird es einen bei lebendigem Leib auffressen.“ In einem anderen machte sich die Pekinger Propagandaabteilung mit einem Pinguin-Bild darüber lustig, dass die Trump-Regierung offenbar Zölle auf unbewohnte Inseln in der Antarktis erheben will.

Die Zölle und ihre globalen Auswirkungen drohen, die chinesische Wirtschaft hart zu treffen. Zusätzliche US-Importzölle von 20 Prozent könnten zwei Prozentpunkte des chinesischen Wirtschaftswachstums kosten, schrieb die französische Investmentbank Natixis in einer Analyse, die kurz vor der Bekanntgabe der Zölle veröffentlicht wurde. Nun könnten die Auswirkungen noch deutlich größer ausfallen.

Großes Entsetzen: Japan prüft mögliche Gegenzölle

In Japan reagiert man entsetzt darauf, mit welch harten Bandagen der eigentlich enge Verbündete USA in den Handel eingreift. Schon der 25-Prozent-Zoll auf Auto-Importe hat die Nation von Toyota und Honda hart getroffen. Nun erzeugt Trump mit einem Zollaufschlag von 24 Prozent für Japan „das Schlimmste unter den Szenarien, die man sich vorstellen konnte“, wie Takahide Kiuchi, der Chefökonom des Nomura Research Institute, am Donnerstag schrieb. Allein diese Zölle könnten Japans Bruttoinlandsprodukt um 0,59 Prozent einbrechen lassen. Autos und Autoteile sind von den neuen Zollerhöhungen ausgenommen.

Handelsminister Yoji Muto kündigte in Tokio eine „mutige und „zügige“ Reaktion an, ließ aber zunächst offen, wie diese aussehen werde. Gegenzollmaßnahmen gehörten zu den möglichen Optionen, aber die Regierung müsse behutsam vorgehen, um den besten Handlungsplan zu ermitteln. „Der Premierminister hat uns angewiesen, alle möglichen Reaktionen zu prüfen und dabei die Interessen sowohl Japans als auch der Vereinigten Staaten abzuwägen. Das beinhaltet auch die Bewertung, ob Gegenzollmaßnahmen der richtige Weg wären“, sagte der Handelsminister. Kabinettschef Yoshimasa Hayashi sprach auf einer Pressekonferenz von „ernsthaften Bedenken“, ob die angekündigten Maßnahmen mit den Regeln er Welthandelsorganisation und dem Handelsabkommen zwischen den USA und Japan in Einklang stünden.

In Südkorea berief der Interimspräsident Han Duck-soo die Regierung zu einem „Notfalltreffen“ zusammen und rief sie dazu auf, „mit allen Mitteln“ auf den Zusatzzoll von 25 Prozent zu reagieren. „Da sich die Lage angesichts der Realität eines globalen Zollkrieges sehr ernst gestaltet, muss die Regierung alle ihr zur Verfügung stehenden Kapazitäten mobilisieren, um diese Handelskrise zu überwinden“, sagte Han in Seoul.

Das Land ist mit seiner starken Stellung in der Chip-, der Auto- und der Elektronikindustrie erheblich vom Export in die USA abhängig, wird von den Zusatzzöllen aber inmitten der unklaren politischen Verhältnisse nach dem Putschversuch des Präsidenten Yoon Suk-yeol getroffen. Han befahl der Regierung, umgehend Notfallunterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und Sektoren, die von den Zöllen betroffen sind – darunter auch die Automobilindustrie – zu erarbeiten.

Australiens Premierminister Anthony Albanese sagte: „Die Zölle der Regierung haben keine logische Basis.“ So handle kein Freund, es handle sich um eine „schlechte Entscheidung“. Er kündigte aber an, dass Australien nicht mit Gegenmaßnahmen reagieren werde. Australien ist im Wahlkampf. „Es ist eine gemischte Angelegenheit und kein Rückschlag für Indien“, wurde ein indischer Regierungsvertreter in lokalen Medien zitiert. Premierminister Narendra Modi war Trump in den vergangenen Wochen weit entgegengekommen. Deutlich höhere Zölle treffen etwa Vietnam und Kambodscha.

Die Börsen in Japan, Australien, Hongkong und Neu-Delhi fielen deutlich. Japans Leitindex Nikkei 225 gab im Handelsverlauf bis zu 4,5 Prozent nach und fiel auf den niedrigsten Stand seit August. „Die Zölle sind schlimmer ausgefallen als erwartet. Japans Unternehmen werden wahrscheinlich hart davon getroffen werden“, kommentierte Hiroshi Matsumoto von der Privatbank Pictet in Japan. Da könne man kaum von einer Überreaktion des Marktes sprechen. Die japanische Währung stärkte sich dagegen gegenüber dem Dollar auf etwa 147 Yen, da Investoren aufgrund der Turbulenzen Zuflucht suchten.

Gegen 8 Uhr deutscher Zeit lag der Nikkei in Tokio knapp 3,5 Prozent im Minus, der Hang-Seng-Index in Hongkong knapp 2 Prozent im Minus. Die Börsen auf dem chinesischen Festland, in Südkorea, Australien und Indien lagen jeweils weniger als ein Prozent im Minus.