Transatlantische Kanzleifusion von HSF und Kramer Levin

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Im Juni entsteht eine weitere globale Großkanzlei: Nach mehrmonatiger Vorbereitung haben sich die Partner der britisch-australischen Sozietät Herbert Smith Freehills (HSF) und der New Yorker Kanzlei Kramer Levin für eine Fusion ausgesprochen. Damit entsteht in rund zwei Monaten eine Kanzlei mit 2700 Anwälten, davon 630 Partner, an 26 Standorten weltweit. Mit einem kumulierten Umsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar wird die neue Einheit Herbert Smith Freehills Kramer (in den USA künftig unter HSF Kramer firmierend) in den Kreis der größten Wirtschaftskanzleien der Welt aufsteigen.

Ursprünglich sollte die Fusion schon zum Mai, wenige Wochen nach der Zustimmung der Partner und zum Ende des britischen Geschäftsjahres, vollzogen werden. Die transatlantischen Partner verschoben den Start ihrer voll integrierten Sozietät auf Basis eines gemeinsamen Vergütungssystems jedoch um einen Monat.

„Der Zusammenschluss drückt ein historisches und langfristiges Bekenntnis beider Kanzleien aus, unsere Zukunft gemeinsam als eine Kanzlei zu gestalten“, sagte Rebecca Maslen-Stannage, Senior Partnerin von HSF. Doch das sei erst der Anfang, betonte die bekannte Transaktionsanwältin aus Sydney in einer Mitteilung am Freitagnachmittag. Auch Paul Schoeman und Howard Spilko, die gemeinsam als geschäftsführende Partner die Geschicke von Kramer Levin verantworten, sprachen von einer „einzigartigen Gelegenheit“, um eine gemeinsame Vision und das Potential für strategisches Wachstum in den USA zu verwirklichen.

HSF mit breiterem Netzwerk

HSF bringt deutlich mehr Anwälte und ein breiteres Netzwerk auf verschiedenen Kontinenten in die Fusion ein. Die Wurzeln der Kanzlei liegen in Großbritannien und Australien, 2012 folgte der damals vor allem im asiatisch-pazifischen Raum viel beachtete Zusammenschluss. In Deutschland ist die Kanzlei mit Büros in Frankfurt und Düsseldorf und knapp 80 Anwälten vertreten. In Amerika hatte HSF bislang nur ein Büro in New York – der Zusammenschluss eröffnet ihr den Zugang zu den USA, dem größten und nach wie vor wichtigsten Rechtsmarkt der Welt.

Kramer Levin hingegen ist deutlich jünger und zentraler aufgestellt. Die Kanzlei wurde 1968 in New York gegründet und hat Büros in Washington und im Silicon Valley. Das einzige Auslandsbüro in Paris wurde im Vorfeld der Fusion mit HSF im vergangenen November aufgelöst. Die Anwälte in der französischen Hauptstadt schlossen sich der US-Konkurrentin Morgan Lewis an.

HSF und Kramer Levin hatten ihre Gespräche im vergangenen Herbst bekanntgemacht. Britische Top-Kanzleien wie Linklaters, Freshfields oder auch Clifford Chance investieren derzeit kräftig, um auf dem US-Rechtsmarkt zu wachsen. Sie nehmen US-Anwälte als Quereinsteiger in ihren Standorten auf oder eröffnen neue Büros, wie zuletzt etwa Freshfields in Boston oder auch die internationale CMS-Allianz (in Deutschland CMS Hasche Sigle ) an der US-Westküste. Marktbeobachtern zufolge loten derzeit weitere Kanzleien die Möglichkeiten einer transatlantischen Kanzlei-Hochzeit aus. Sie könnten damit dem Beispiel von A&O Shearman folgen. Der Zusammenschluss der traditionsreichen Kanzleien Allen & Overy und Shearman & Sterling jährt sich am 1. Mai 2025 zum ersten Mal.