Der Wuppertaler SV kämpft in der Regionalliga West um den Klassenerhalt. Dafür muss er am heutigen Samstag gegen den 1. FC Düren ran. Doch wer für Düren spielt, ist noch unklar.
Die Regionalliga West schreibt in den vergangenen Wochen fast ausschließlich negative Schlagzeilen. Erst zog sich Schlusslicht Türkspor Dortmund mit sofortiger Wirkung aus der laufenden Saison zurück. Dann wurden auch die finanziellen Nöte beim 1. FC Düren und dem KFC Uerdingen publik. Das Insolvenzverfahren gegen Uerdingen läuft seit dieser Woche. Und in Düren? Dort erklärte Kapitän und Sportchef Adam Matuschyk am Montag bei “Reviersport”: “Der Insolvenzverwalter hat uns heute darüber informiert, dass das Verfahren eröffnet wird.”
Daraufhin kündigten alle Spieler und auch der Cheftrainer mit sofortiger Wirkung. Weil sie dieses Jahr noch nicht bezahlt wurden und am 31. März fristgerecht kündigten, können sie über das sogenannte Insolvenzgeld im Nachhinein noch bezahlt werden. Den Spielbetrieb einstellen, daran dachten die Kluboberen des 1. FC Düren aber nicht. Sie reichten sogar rechtzeitig einen neuen Antrag auf eine Regionalliga-Lizenz für die kommende Saison ein.
Nach 26 Spielen steht Düren mit 35 Punkten auch im gesicherten Tabellenmittelfeld, der Klassenerhalt wäre ohne die Begleitumstände sehr wahrscheinlich. Doch das eröffnete Insolvenzverfahren kostet den Klub neun Punkte Strafe. Und mit 26 Zählern sind es nur noch fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Das größere Problem: Es fehlen Spieler. Denn die Mannschaft hat bekanntlich gekündigt.
Dennoch betonte Vizevorsitzender Karsten Schümann: “Es bleibt dabei: Wir wollen die Saison mit aller Macht durchziehen. Wir nehmen lieber die eine oder andere Klatsche in Kauf, als vorzeitig in den Sack zu hauen”, zitiert ihn der “Kicker”.
Welche Mannschaft wird also am heutigen Samstag auf dem Platz stehen, wenn Düren im Stadion am Zoo beim Wuppertaler SV zu Gast ist? So recht weiß das kaum jemand, auch beim Gegner in Wuppertal. Trainer Sebastian Tyrala machte daraus bei der Pressekonferenz am Donnerstag keinen Hehl: “Ich kann nicht sagen, wer der Trainer ist, ich kann nicht sagen, welche Spieler kommen.” Eine Gegnervorbereitung gebe es daher nicht. “Es ist schon ein nerviges Thema, das muss man ehrlicherweise sagen. Das ist noch nett ausgedrückt. Mir geht es schon ein bisschen auf die Eier, weil man nicht weiß, was jetzt passiert”, sagte Tyrala.
Es ist das womöglich absurdeste Spiel der Saison, das in den obersten vier Spielklassen des deutschen Fußballs stattfindet. Denn wer am frühen Samstagnachmittag auf dem Spielberichtsbogen steht, wenn Wuppertal Düren empfängt, bleibt wohl bis kurz vor dem Anpfiff (14 Uhr) ein Geheimnis der Gäste.
Trainiert wird das Team von Luca Lausberg, eigentlich Coach der U23. Den Kern der Mannschaft sollen auch Spieler aus der U23 und der U19 stellen. Die U23 spielt normalerweise in der Landesliga, was in der Region Mittelrhein die sechsthöchste Spielklasse ist. Doch statt der Partie gegen den SV Kurdistan Düren am Sonntag geht es für viele Spieler nun einen Tag zuvor nach Wuppertal, zwei Ligen höher.
Doch Düren will sich auch externe Hilfe holen. Mithilfe des ehemaligen Junioren-Nationalspielers und heutigen Influencers Bilal Kamarieh rief der Klub im Netz dazu auf, sich zu melden. Talentierte Spieler könnten die Regionalliga-Saison für Düren zu Ende spielen, sofern sie seit mindestens einem halben Jahr für keinen anderen Verein aufgelaufen sind. Eine Anmeldung mitten in der Rückrunde ist dann möglich.
Am späten Freitagabend meldete Kamarieh (180.000 Follower auf Instagram), dass sich mehr als 500 Spieler bei ihm gemeldet hätten. Der 28-Jährige ist auch Teamchef einer Mannschaft in der Kleinfeldliga “Icon League”, die von Toni Kroos und Kamariehs Freund Elias Nerlich ins Leben gerufen wurde. Der frühere Spieler von Hertha BSC und Mainz 05 ist unter Fußballern auf Oberliga- und Regionalliga-Level gut vernetzt.